Die Auffassung des Wirklichen im Taoismus
HTML-Bearbeitung am 9.8.1999
Verfasser: Joseph Wang
Betreulehrer: Prof. Dr. Mato Matosevic
(Abgabetermin: 19. Februar 1994)
Bemerkung am Anfang: Alle nicht im Originaltext enthaltene Stellen wurden in der Größe -1 (sowie diese) formatiert. Die Chinesische Zeichen werden als Graphik geladen. Obwohl ich damals das Dschung-Yang Wörterbuch Chinesisch-Deutsch verwendete, ist die heutige Standard der phonetischen Übersetzung das Pin-Yin.
Ich bekam für diese Arbeit die Note "Befriedigend".
An dieser Stelle möchte ich all jene danken, die mir geholfen haben, diese Fachbereichsarbeit zustande zu bringen.
Besonders gilt der Dank meiner
Mutter, die mich seelisch unterstützt und mir unermüdlich jene
chinesische Philosophie beigebracht hat, die man wohl die chinesische Mentalität
nennen könnte. Auch Herrn Professor Rainer Ibele und Herrn Thomas
Bernhard bin ich zum Dank verpflichtet, da ohne ihre Deutschkenntnisse
diese Fachbereichsarbeit noch viel mehr an ihre Eindeutigkeit verlieren
würde. Zum Schluß möchte ich noch einen Mann erwähnen,
Herr Doktor Chen Ju-Rung
,
der mir aus Taiwan Bücher geschickt hat, damit ich hier diese Arbeit
schreiben kann.
Hier muß ich mich jedoch schämen, weil ich die Erwartungen der oben genannten Personen nicht einmal zur Hälfte erfüllt habe.
Warum ich dieses Thema gewählt habe, weiß ich leider nicht. Vielleicht liegt in meinem Inneren jener Zwang, die chinesische Philosophie zu verbreiten, weil sie in Unterricht überhaupt nicht behandelt wird. Meine Mutter sagte mir einst, die Philosophie sei Schuhe, mit denen Menschen ihr Leben leichter erfüllen können. Ich denke, daß die chinesische Philosophie manchen vielleicht besser paßt. (P.S. In Taiwan, meiner Heimat, leben viele Menschen von der Schuhindustrie; die Schuhen werden in die ganze Welt exportiert!)
Einen chinesischen Text ins Deutsche zu übersetzen, bereitet mir die größte Schwierigkeit, diese Arbeit zu fertigen. Ich fand z.B. fünf verschiedene deutsche Übersetzungen des Tao-Te-King, kann aber nur die Übersetzung von Herrn Richard Wilhelm verwenden, da die anderen Bücher sehr viele Unterschiede zu den chinesischen Texten aufweisen. Eine wörtliche Übersetzung ist nicht möglich, da im Chinesischen die Ideogramme meist äquivoker Natur sind und so die Deutungsunterschiede aufkommen. Eine Übersetzung dem Sinn nach ist ebenso schlecht, denn hier geht durch die Verwendung deutscher Begriffe der Sinn der Sätze als Doppeldeutiges erst richtig verloren, und die mystische Elemente, die von den taoistischen Philosophen betont werden, kommen zuwenig zum Ausdruck.
Ein anderes Problem, auf das ich beim Übersetzen treffe, ist das Übersetzen von Eigennamen. Hier verwende ich das Dschung-Yang Wörterbuch Chinesisch-Deutsch als Nachschlagwerk für die phonetische Übersetzung. Bis auf “Lao” und “Tao-Te-King” werden alle anderen chinesischen Eigennamen nach der Übersetzungtabelle des Dschung-Yang Wörterbuches übersetzt.
Lao-Tse war der bedeutendste taoistische Philosoph, er gilt als der Verfasser des Tao-Te-King. Heute wissen wir jedoch sehr wenig über sein Leben.
Shr-Ji, ein chinesisches Geschichtsbuch, geschrieben von Si-Ma-Chian (163-85 v. Chr.), ist heute die einzige zuverlässige Quelle. Obwohl Lao-Tse oft mit “Alter Meister” oder mit “Meister Lao” bzw. “Meister Li” übersetzt wird, lautet sein wirklicher Name “Li-Er”, nach dem Tod erhielt er den Ehrennamen “Dan”. Lao-Tse wurde im heutigen Lu-I Sian der Provinz Ho-Nan geboren. Im allgemeinen schätzt man Lao-Tse auf ein halbes Jahrhundert vor Konfuzius, demnach lebte er im 7. Jahrhundert vor Christus. Es gibt jedoch auch Forscher, die glauben, daß das Tao-Te-King erst im 4. Jahrhundert vor Christus entstanden ist. Lao war Archivar am kaiserlichen Hof Lwo-Yang. Er sah die hoffnungslose Politik und zog deshalb aus der Stadt. Es wird nicht überliefert, wo er gestorben ist.
Die Lehre Lao-Tses basiert auf dem Tao, dem obersten Prinzip der taoistischen Philosophie.
Viele Sinologen haben schon
versucht, das Wort “Tao”
ins Deutsche zu übersetzen. Unter anderen wird Tao mit “Weg” , “Sinn”
oder auch “Tao”, der phonetischen Übersetzung des chinesischen Ideogramms,
übersetzt. Die phonetische Übersetzung ist am besten gelungen,
da man das Tao begreifen muß, und es nicht durch einen anderen, ähnlichen
Begriff ersetzt werden soll.
Das Tao-Te-King kennt jedoch vier verschiedene Bedeutungen des Tao: den Urgrund für das Sein, das oberste Prinzip der Natur, die Ethik und die Gedanken des Lao-Tse über Politik.
Viele Philosophen glauben, daß Lao-Tse zuerst über die Ethik philosophiert, diese dann auf die Politik und Naturgeschehnisse übertragen und zum Schluß die Metaphysik erfunden hat, sodaß die Ethik und die Staatslehre eine Stütze bekommen, auf die Lao-Tse zurückgreifen kann.
1.2.1.1. Entstehung und Verfasser
Neben vielen verschiedenen Theorien über die Entstehung des Tao-Te-King wurde in Shr-Ji folgende Geschichte überliefert:
Nachdem Lao-Tse die Stadt Lwo-Yang verlassen hatte, kam er an den Han-Gu-Paß. Dort hielt der Torwart Ling-Yi ihn auf und fragte, ob er nicht etwas für ihn aufschreibe, wonach er leben solle. Lao-Tse willigte ein und schrieb ca. 5000 Ideogramme nieder, (die heute Tao-Te-King genannt werden). Danach verließ er das Kaiserreich.
Obwohl man nicht sagen kann, daß dieses Ereignis wirklich stattgefunden hat, ist diese Erklärung die wahrscheinlichste.
Das Tao-Te-King ist außerdem ein Werk, das nur einen Autor, aber viele Bearbeiter und Übersetzer hat. Dies beweisen die Uniformität der Sprache innerhalb des Tao-Te-King und die große Anzahl der Ausgaben. Man zählt allein im asiatischen Raum 2000 verschiedene.
1.2.1.2. Gliederung des Tao-Te-King
Das Tao-Te-King wird in 81 Kapitel bzw. zwei Teile geteilt: Der erste Teil, Tao, umfaßt die ersten 37 Kapitel, wobei die Bezeichnung “Tao” aus dem ersten Kapitel stammt: “Das Tao (Sinn), das sich aussprechen läßt, ist nicht das ewige Tao (Sinn) ...”; der zweite Teil Te, umfaßt die restlichen 44 Kapitel, diese Bezeichnung “Te” wird aus dem 38. Kapitel entnommen: “Wer das Te (Leben) hochhält, weiß nichts vom Te (Leben) ...”.
Diese Einteilung war sicherlich nicht von Lao-Tse beabsichtigt, denn es werden nicht zwei Themen in zwei Teilen diskutiert, sondern nur ein Thema in einem einzigen Buch. Die Einteilung in 81 Kapitel gibt die Gedanken Lao-Tses jedoch klar voneinander getrennt wieder, so behalten die Leser die bessere Übersicht. Die einzelnen Kapitel kann man aber beliebig aneinanderreihen, ohne den Sinn des Buches zu beeinträchtigen.
Lao-Tse wollte scheinbar keine klare Gliederung. Das Tao, das sich literarisch als Leitmotiv durch das ganze Buch hindurchzieht, beinhaltet drei verschiedene Bedeutungen, die nicht eine nach der anderen, sondern willkürlich einmal da, einmal dort behandelt werden. Vielleicht steckt die Absicht dahinter, die Leser begreifen zu lassen, daß das Tao alles umfaßt und daß man es als eine Einheit ansehen soll, vielleicht hat er auch einfach das niedergeschrieben, was ihm gerade in den Sinn gekommen ist, und so das Werk “durcheinandergebracht”.
Das Ganze stellt sich aber nicht als ein Problem dar, denn diese “Unordnung” stört die Chinesen nicht, sie zeigt aber ein wesentliches Merkmal der taoistischen Philosophie: Man soll die Gedanken begreifen; es reicht nicht, daß man einen Lehrsatz auswendig, aber nicht anwenden kann.
1.2.2.1. Tao im Bereich des Metaphysischen
Tao ist Wirklichkeit
Das Tao wird als etwas “Seiendes” aufgefaßt. Seiendes heißt hier lediglich, daß es Tao gibt, daß Tao existiert. Tao ist etwas, was schon vor der Welt da war . Dabei ist das Wort “Tao” nur eine Notlösung. Lao-Tse erklärt, daß kein Wort es zutreffend beschreiben kann, es wird von ihm “Tao” genannt.
Das Tao ist nicht erkennbar für uns. Es ist nicht sichtbar, nicht riechbar und nicht tastbar, somit ist das Tao nicht vorstellbar . Tao ist dunkel und chaotisch, d.h. man kann das Tao nicht genau erkennen, in diesem Chaotischen stecken jedoch wirkliche Erscheinungen . Das Tao hat sich im Laufe der Zeit nicht verändert. Es erstreckt sich ins Unendliche und kehrt so zurück zum Ursprung . Lao-Tse versucht uns das Tao zu beschreiben, indem er das beschreibt, was es nicht ist. Dies ist wahrscheinlich die einzige Methode, etwas nicht Vorstellbares doch noch bildhaft zu machen.
Dieses unergründbare Tao wird so von Lao-Tse geformt, daß es seine restliche Lehre stützt. Somit kann Lao-Tse auf das Metaphysische zurückgreifen, wenn er die Entstehung der Welt erklärt. So darf das Tao nicht eingeschränkt werden, auch nicht von irgendeinem Namen. Das Wort “Tao” wird zu einer Notlösung. Die Gestaltlosigkeit ist deshalb wichtig, weil das Tao ewig sein soll. Wenn es eine Gestalt hätte, so müßte es vergehen wie jedes andere Seiende. Zudem ist diese Gestaltlosigkeit auch sinnvoll, weil man das Tao nicht mehr nachweisen kann. Das Tao ist grenzenlos (es erstreckt sich ins Unendliche), weil Lao-Tse diese Eigenschaft braucht, um sagen zu können, daß das Tao alle anderen Dinge hervorgebracht hat.
Entstehung der Welt
Lao-Tse glaubt, daß das Tao die Welt erschaffen hat. Das Tao bringt zuerst das Eins hervor, das Eins die Zwei, die Zwei die Drei, und die Drei erzeugt alle Dinge . So stellt sich Lao-Tse die Entstehung der Welt vor. Sie wurde aus wenigen immer mehr, dabei spielt die Eigenschaft, daß das Tao ununterbrochen quellend und immer strömend ist, eine große Rolle. So kann das Tao die Welt erschaffen.
Interessant sind die beiden
Begriffe “Sein” und “Nicht-Sein” im Zusammenhang mit der Entstehung der
Welt. Das chinesische Ideogramm
wird oft mit “Sein” übersetzt,
mit “Nicht-Sein”, dabei ist zu beachten, daß diese nun andere Bedeutungen
haben, als sie sonst in der Philosophie verwendet werden. Das “Nichtsein”
ist der Anfang der Welt, während das “Sein” die Mutter der Einzelwesen
ist . Alle Dinge entstehen aus dem “Sein”, während das “Sein” selbst
aus dem “Nichtsein” entstanden ist . “Sein” und “Nichtsein” sind nur zwei
Beschreibungen bzw. Erscheinungen des Tao. Sie arbeiten zusammen und schließen
einander nicht aus. “Nichtsein” ist nicht das Gegenteil von “Sein”. Vielmehr
bilden sie eine Einheit. Das “Nichtsein” deutet auf ein Potential zum Sein
(nur aus einem “Nichtseienden” kann etwas “Seiendes” entstehen), analog
dazu kann das “Sein” auch nur aus dem “Nichtsein” kommen. Nun, alle Dinge
sind Seiendes, alles Seiende hat das Tao erschaffen, also ist das Sein
eine Wirkungsweise des Tao; das “Nichtsein” ist aber auch eine Wirkungsweise
des Tao. Sie bilden hier also eine Einheit, ähnlich wie das bekannte
Yin-Yang-Prinzip: Yang ist das Aktive, Yin das Passive; aus dem einen wird
das andere und umgekehrt. Sie schließen einander nicht aus, sondern
sind zwei verschiedene, aber zusammenwirkende Kräfte, ohne Yang kein
Yin, ohne Yin kein Yang.
In der Tat verwendete Lao-Tse das metaphysische Prinzip des Yin-Yang aus der I-Ging, das schon damals mindestens 800 Jahre alt war.
1.2.2.2. Tao als Prinzip der natürlichen Bewegungen
Das Tao hat die Welt erschaffen und hat auch einen großen Einfluß auf sie. So können zwei verschiedene Prinzipien erkannt werden: die Einheit der Gegensätze und das Prinzip der Rückkehr.
Die Einheit der Gegensätze
Lao-Tse glaubt, daß alle Erscheinungen, Bewegungen etc. mit dem ihnen Entgegengesetzten eine Einheit bilden: Alle Dinge und Werte haben eine gegenpolige, konträre Seite. Obwohl sie einander scheinbar ausschließen, helfen sie einander zu bestehen. So würde es keine Schönheit auf der Welt geben, wenn es nicht auch Häßlichkeit gäbe. Auch das Gute (mit dem Boshaften), das Sein (mit dem Nichtsein), das Schwere (mit dem Leichten), das Lange (mit dem Kurzen) und die Musik (mit dem Geräusch) bilden mit dem ihnen Entgegengesetzten eine Einheit . Darüber hinaus glaubt Lao-Tse, daß diese Gegensatzpaare oft ihre Plätze vertauschen. So folgt auf ein freudiges Ereignis oft ein Unglück . Nach diesem Prinzip müssen die einzelnen Werte auf ihrem Gegenteil aufbauen. Nur das, was halb ist, wird ganz werden; nur das, was krumm ist, wird gerade werden; nur das, was leer ist, wird voll werden; nur das, was alt ist, wird neu werden; nur derjenige, der wenig hat, wird bekommen; nur derjenige, der viel hat, wird benommen .
Zusammenfassend kann man sagen, daß die Gegensätze einander nicht ausschließen, sondern zusammenwirken. Diese Denkweise widerspiegelt wiederum das Yin-Yang-Prinzip.
Das Prinzip der Rückkehr
Im Chinesischen hat das Wort
(fan ausgesprochen)
zwei Bedeutungen: “sich wenden” oder “Rückkehr”. Nach der Meinung
Lao-Tses wollen alle Bewegungen ihren gegenteiligen Lauf nehmen, kehren
aber wieder zum Ursprung zurück, wenn sie das Äußerste
erreicht haben.
Nachdem das Tao, das eigentlich still und dunkel ist, die Dinge erschaffen hat, streben die Dinge nach Licht und Gesellschaft. Sie nehmen also einen dem Tao entgegengesetzten Weg, sind also wieder Tao. So müssen sie zwangshaft wieder zu ihrem Ursprung zurückkehren, dem stillen, ruhigen, dunklen Tao. Mit dieser Erkenntnis schätzt Lao-Tse das Stille, das Passive weitaus mehr als das Aktive.
1.2.2.3. Tao im Leben eines Menschen: Ethik
Lao-Tses Ethik
Weil das Tao die Welt erschaffen hat, ist es das höchste Gut, wonach ein Mensch streben sollte. Diese Wirkung des Tao auf die Menschen heißt “Te” und ist gleichsam die Ethik von Lao-Tse.
Nun, wie sollen die Menschen handeln? Was ist der richtige Weg? Nach Meinung von Lao-Tse ist das oberste Prinzip des menschlichen Handelns das Nicht-Handeln. Passivität, Schwäche, Sanftmut, Toleranz, Einfalt sind die höchsten Tugenden. All diese Eigenschaften basieren auf der menschlichen Natur. Mit Natur ist hier aber nicht die biologische Umgebung, sondern das Sich-Selbst gemeint: Lao-Tse glaubt, daß die Menschen von selbst gut sind; sie brauchen keinerlei Einflüsse und keinerlei Moral. Die Passivität, ohne die die Aktivität ihre Bedeutung verliert, ist natürlich menschlich. Auch Schwäche, Sanftmut, Toleranz, Einfalt etc. sind die natürlichsten Eigenschaften der Menschen.
So ist ein Mensch dann gut, wenn er wirken kann, ohne zu handeln, wenn er belehren kann, ohne zu reden. Er soll nichts besitzen oder für sich behalten. Er läßt alle Dinge ihren natürlichen Lauf nehmen und beeinflußt nicht. Er behält seinen Erfolg nicht, und deshalb wird der Erfolg geschätzt .
Lao-Tse schätzt das Wasser, es ist lebenswichtig für alles, verweilt aber an Orten, die am niedrigsten sind, die alle Menschen verachten. Diese Handlungsweise ist für Lao-Tse dem Tao nahe und somit erstrebenswert .
Dieses Streben nach Passivität, Schwäche begründet Lao-Tse damit, daß das Allerweichste, das Allerschwächste und das Nichtsein das Allerhärteste, das Allerstärkste und das Sein übertreffen . Wie das weiche und schwache Wasser den allerhärtesten Sein durchbohren kann, so ist das Nicht-Handeln dem Handeln überlegen.
So behauptet Lao-Tse, daß er drei Schätze habe: die Liebe, die Genügsamkeit und die Zurückhaltung .
Lebensweisheiten
Lao-Tse versucht in seinem Tao-Te-King, uns auch einige Lebensweisheiten beizubringen, die kaum von seiner Ethik getrennt werden können. Die Worte sprechen für sich und bedürfen keinerlei Erklärung. Hier kann ich nur ein paar davon nennen:
Kap. 9:
Etwas festhalten wollen und dabei es überfüllen:
das lohnt der Mühe nicht.
Etwas handhaben wollen und dabei es immer scharf halten:
das läßt sich nicht lange bewahren.
Mit Gold und Edelsteinen gefüllten Saal
kann niemand beschützen.
Reich und vornehm und dazu hochmütig sein:
das zieht von selbst das Unglück herbei.
Ist das Werk vollbracht, dann sich zurückziehen:
das ist des Himmels SINN [Tao].
Kap. 12:
Die fünferlei Farben machen der Menschen Augen blind.
Die fünferlei Töne machen der Menschen Ohren taub.
Die fünferlei Würzen machen der Menschen Gaumen schal.
Rennen und Jagen machen der Menschen Herzen toll.
Seltene Güter machen der Menschen Wandel wirr.
[...]
Kap. 24:
Wer auf den Zehen steht,
steht nicht fest.
Wer mit gespreizten Beinen geht,
kommt nicht voran.
Wer selber scheinen will,
wird nicht erleuchtet.
Wer selber etwas sein will,
wird nicht herrlich.
Wer selber sich rühmt,
vollbringt nicht Werke.
Wer selber sich hervortut,
wird nicht erhoben.
[...]
Kap. 33:
Wer andere kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Kraft.
Wer sich selber besiegt, ist stark.
Wer sich durchsetzt, hat Willen.
Wer sich genügen läßt, ist reich.
Wer seinen Platz nicht verliert, hat Dauer.
Wer auch im Tode nicht untergeht, der lebt.
Kap. 56:
Der Wissende redet nicht.
Der Redende weiß nicht.
[...]
Kap. 68:
Wer gut zu führen weiß,
ist nicht kriegerisch.
Wer gut zu kämpfen weiß,
ist nicht zornig.
Wer gut die Feinde zu besiegen weiß,
kämpft nicht mit ihnen.
Wer gut die Menschen zu gebrauchen weiß,
der hält sich unten.
[..]
Kap. 71:
Die Nichtwissenheit wissen
ist das Höchste.
Nicht wissen, was Wissen ist,
ist ein Leiden.
Nur wenn man unter diesem Leiden leidet,
wird man frei von Leiden.
Daß der Berufene nicht leidet,
kommt daher, daß er an diesem Leiden leidet;
darum leidet er nicht.
Das Wesentliche der taoistischen Lehre besagt, daß man eben einfach und einfältig leben soll: Man soll nicht in das Leben eingreifen. Die Forderung nach Passivität und Schwäche stellt zwar einen großen Gegensatz zum heutigen hektischen und zankhaften Leben dar, würde aber bei ihrer Durchsetzung sicherlich Frieden und Toleranz bringen, was wir heute dringend brauchen könnten.
1.2.3. Führung von Menschen: Staatsphilosophie
Auch hier verwendete Lao-Tse das Tao, um seine Gedanken zu entfalten. Seinen Aussage über Politik gilt nicht der Erörterung von Vorteilen der Monarchie, der Aristokratie oder der Demokratie; vielmehr sagt er etwas über das Grundlegende der Politik aus. Er kannte wahrscheinlich nur eine einzige Staatsform, die Monarchie, doch seine Lehre fände auch in allen anderen Staatsformen Nutzen.
Wenn man in der chinesischen Geschichte nachblättert, so erkennt man gleich, daß Lao-Tse zu einer Zeit gelebt hat, in der viele Kriege und Krisen herrschten: Die Kaiser der Jou-Dynastie verloren immer mehr an Macht, die Fürsten rüsteten auf und versuchten andere Ländereien zu erobern, dementsprechend stieg auch die Rate der kriminellen Tätigkeiten. Konfuzius versuchte diese Lage in den Griff zu bekommen, indem er versuchte, seine Ethik, andere Leute durch die Sitten moralisch zu bekehren, in die Politik umzusetzen. Lao-Tse aber wanderte aus, um dieser hilfslosen Situation zu entgehen. Jedoch hatte auch er Vorstellungen über die Politik, wie sie eben sein müßte, damit alle in Frieden leben. Da das Tao ein Naturprinzip ist, ist es am besten, wenn man nach dem Tao lebt und regiert, d.h. daß man nicht in das Tao eingreifen soll. Seine Politik basiert auf diesen Gedanken.
Lao-Tse glaubt, daß alle Dinge von selbst auf rechten Wegen sind, wenn Fürsten das Tao wahren und pflegen können . Als König bzw. Verantwortlicher für einen Staat soll man möglichst wenig in das Alltagsleben der Bevölkerung eingreifen. Denn das Volk wird von selbst gut. Als Regierender soll man die Tüchtigen nicht bevorzugen, die Kostbarkeiten nicht schätzen und nichts Begehrenswertes für sich beanspruchen, denn so verhindert man das Stehlen, das Streiten und die Verwirrung des Volkes .
Darüberhinaus glaubt er, daß ein Staat nicht einmal Gesetze braucht, um Leute von Fehlern zu bewahren. Im Gegenteil, gerade die Gesetze führen die Leute zum Schlechten. Durch die vielen Verbote verarmt das Volk, durch die Machtgier kommt der Staat ins Verderben, durch die Gesetze und Befehle entstehen Räuber und Diebe . Lao-Tse glaubt, daß es nach der ersten Exekution eines Räubers keine Räuber geben dürfte, wenn das Volk den Tod wirklich fürchten würde. Da es trotz Todesstrafe Kriminelle gibt, kann man sehen, daß das Volk den Tod nicht fürchtet. Was erreicht man jetzt noch mit einer Drohung zum Tode ?
Wie kommt Lao-Tse auf die Idee, daß Gesetze, die ja Verbrechen verhindern sollten, genau das Gegenteilige bewirken? Nach dem Te kommt die Liebe, dann die Gerechtigkeit und zum Schluß die Sitte. Nach Meinung Lao-Tses sind Liebe, Gerechtigkeit und Sitte die schlechtere Wahl. Sie sind nicht nur überflüssig, wenn man nach dem Tao lebt, sondern führen die Menschen auch vom Tao weg.
Lao-Tse liebte den Frieden, er verabscheute das Heer und die Waffen. Man solle sie möglichst wenig verwenden, nur wenn es keine andere Alternative gibt, ist die Gewaltlösung gerechtfertigt.
Lao-Tse sagte, daß die Waffen unheilvolle Geräte sind, die von allen gehaßt werden. Die Edlen gebrauchen sie nicht, es sei denn, es gibt keinen anderen Ausweg. Eine Kriegsführung widerspreche den Naturgesetzen, und einen Sieg solle man nicht feiern, sondern trauern, da viele Menschen im Krieg umkommen .
Daß man einen Sieg nicht feiert, sondern trauert, gibt die humane Denkweise des Lao-Tse wieder.
Lao-Tse stellt sich einen Staat vor, in dem alle Leute nach dem Tao leben. In diesem Utopia soll es nur wenige Einwohner geben. Er braucht keine Gesetze, da die Leute einfältig leben und zufrieden sind. Man soll den technischen Fortschritt verbannen und wieder zu nativer Lebensweise zurückkehren. Auch wenn es Waffen und Verkehrsmittel gibt, gibt es keinen, der sie braucht. Nicht einmal die Schrift ist eine gute Errungenschaft. Die Menschen sollen nicht hungern und schöne Wohnungen haben, daß sie nichts mehr begehren . Wenn ein ganz Großer regiert, so weiß das Volk nicht einmal, daß es eine Regierung über sie gibt .
Ohne Zweifel hat Lao-Tse die chinesische Philosophie um vieles bereichert. Die taoistische Lehre ist deshalb interessant, weil sie sich stark von der westlichen Philosophie unterscheidet und weil sie sicherlich die volkstümlichste Lehre in China darstellt. Denn während die konfuzianistische Lehre, die den Menschen Liebe (Ren), Gerechtigkeit (Yi) und Sitte (Li) beibringt, damit sie in Harmonie leben können, viel mehr Anerkennung in der Oberschicht (sprich Politik) findet, befolgt das Volk zwar immer noch die Sitten, aber innerlich ist es taoistisch gesinnt. Die Lehre Lao-Tses, v.a. den Teil, der das passive Dasein betont, befolgt das allgemine Volk unbewußt.
So umfassend das Tao-System auch sein mag (es deckt ja alle Lebensbereiche ab), so hat es auch seine negativen Aspekte:
Auch wenn die Lehre Lao-Tses neben diesen fünf Punkten noch viele andere Schwäche hat, kann man nicht leugnen, daß sie uns vieles über das Leben beigebracht hat. Gerade der Gedanke, daß man passiv sein sollte, kann viele Streitereien im Alltagsleben vermeiden. Die Lehre ist für die Menschheit nicht weniger bedeutend als die von Sokrates oder Jesus.
Zum Schluß muß man noch sagen, daß die Schwäche der Lehre Lao-Tses durch die Vielfältigkeit der chinesischen Philosophie kompensiert wird. So wendet man sich bei Schwierigkeiten einfach zum Konfuzianismus oder Buddhismus. Ist dieses Phänomen schon wieder eine Bestätigung taoistischer Lehre? Gegensätzliches hilft ja einander...
Jwang-Tse, auch Jwang-Jou oder Jwang-Tse-Siou, ist neben Lao-Tse der zweit wichtigste Philosoph des Taoismus. Die Sammlung “Jwang-Tse” widmet sich ganz seiner Lehre, dabei soll er den esoterischen Teil dieser Sammlung verfaßt haben, was jedoch heutzutage oft angezweifelt wird.
Ähnlich wie bei Lao-Tse wissen wir heute wenig über Jwang-Tses Leben. Er wurde in Mong (im heutigen Südwestschantung) geboren. Die Aussage über sein Geburtsjahr variieren zwischen 400 und 350 v. Chr., und sein Sterbejahr liegt zwischen 310 und 270 v. Chr.. Was er war und was er tat, steht ebenfalls nicht im Geschichtsbuch. Das einzige, woran heute kein Forscher mehr zweifelt, ist, daß er mindestens einmal verweigert hat, ein hohes Amt anzunehmen, obwohl man ihn sehr gut bezahlt hätte .
Aus der Sammlung “Jwang-Tse” weiß man, daß Jwang-Tse nicht nur philosophiert, sondern auch nach seiner Philosophie gehandelt hat.
Interessanterweise bedient sich Jwang-Tse des Gleichnisses, um seine Lehre und Meinung kundzutun. Mehr als die Hälfte des “Jwang-Tse” besteht aus Gleichnissen, nur selten findet man eindeutige Aussagen. Daß er lieber “Geschichten” schrieb und konkrete Aussagen mied, kommt wahrscheinlich daher, daß die Leute seine Lehre sonst sofort abgelehnt hätten. Außerdem ist das Gleichnis ein wirkungsvolles Mittel, Leute zu beeinflussen, da eine Analogie meist einleuchtend wirkt, auch wenn sie logisch nicht vertretbar ist.
Trotz seines Besitzes an Wissen war Jwang-Tse nicht reich. Seine Lebenskosten versuchte er durch Schusterarbeit zu decken, doch Mangel an Geld trieb ihn oft zur Bettelei und zum bescheidenen Leben. Für ihn ist Armut keine Schande: Er würde lieber arm bleiben, als unangenehme Arbeit (z.B. einem König den Eiter abschlecken) verrichten und dabei viel Geld verdienen .
Jwang-Tse wollte nie Beamter werden. Viele Fürsten und Könige boten ihm gute Stellen an, aber er lehnte sie alle ab. Für ihn ist die Arbeit als hoher Beamter oder gar als Berater des Königs (vergleichbar mit einem Kanzleramt) höchst unangenehm und einschränkend. Er vergleicht einen Beamten mit einem dicken Opferstier am Altar: Nachdem der Stier einige Jahre in Wohlstand verbracht hat, wird er vor dem Altar gebracht; Jetzt kann er nicht einmal ein kleiner freilebender Stier sein .
In “Jwang-Tse” finden wir oft Aufzeichnungen über Gespräche zwischen Hwei-Shr (oder Hwei-Tse) und Jwang-Tse. Hwei-Shr war sicherlich der beste Freund Jwang-Tses. Beide Philosophen wußten viel, und beide stritten gerne. So wurde Hwei-Shr der Gegenspieler von Jwang-Tse: Er sah die Welt aus einer objektiven Perspektive und analysierte sie, während Jwang-Tse die Welt aus einer subjektiven Sicht bewunderte. Mit anderen Worten kann man sagen, daß Hwei-Shr ein Logiker und Jwang-Tse ein Künstler war.
Der berühmteste Streit zwischen den beiden ist wohl der Streit über das Frohsein der Fische:
Jwang-Tse und Hwei-Shr
gingen auf einer Brücke über den Fluß Wei.
Jwang-Tse sprach: “Die kleinen weißen Fische schwimmen müßig
im Fluß, wie sind sie doch froh!”
Hwei-Tse fragte: “Du bist kein Fisch, wie willst du wissen, daß sie
froh sind?”
Jwang-Tse sagte: “Du bist nicht ich, wie willst du wissen, daß ich
nicht weiß, daß die Fische froh sind?”
Hwei-Tse sagte: “Ich bin nicht du, also weiß ich nicht, was du weißt;
du bist aber auch kein Fisch, also kannst du auch nicht wissen, ob die
Fische froh sind, das ist doch klar!”
Jwang-Tse sagte: “Bitte kehren wir zum Ursprung unseres Gespräches
zurück! Du fragtest: `Wie willst du wissen, daß die Fische froh
sind?´, also wußtest du, daß ich weiß, daß
die Fische froh sind. Also kann ich auch auf der Brücke wissen, daß
die Fische froh sind.”
Dieser Streit zeigte die verschiedene Sichtweise und den unterschiedlichen Charakter der beiden Philosophen. Weil sie die Dinge aus verschiedenen Aspekten betrachteten, dachten sie in verschiedener Richtung. So kamen sie nie zu einem Endergebnis, und Hwei-Tse, der Gast in der Sammlung, verlor meistens. Er spielte den Bösen in der Geschichte, damit die “guten” Lehren Jwang-Tses besser erkennbar wurden.
Obwohl Jwang-Tse und Hwei-Shr in zwei verschiedenen Welten lebten, war Hwei-Shr mit Sicherheit der beste Freund Jwang-Tses. In “Jwang-Tse” wird noch eine Geschichte überliefert:
Jwang-Tse trauerte um
seinen gestorbenen Freund. Als er das Grab des Freundes passierte, drehte
er sich um und sagte zu dem, der ihm folgte:
In Ying lebte ein Mann. Einst wurde seine Nase von einem Fleck beschmutzt,
der gerade so dünn wie die Flügel einer Fliege war. Er bat den
Meister Stein, diesen Fleck zu beseitigen. Daraufhin schlug der Meister
mit der Axt von oben und entfernte so den Fleck, der Mann wurde überhaupt
nicht verletzt und verzog keine Miene. Der Fürst in Sung hörte
davon, suchte den Meister auf und bat ihn, das Gleiche bei ihm zu versuchen.
Der Meister sagte: “Früher konnte ich es, aber mein Partner ist schon
vor langer Zeit gestorben” Seit Hwei-Shr gestorben ist, habe ich keinen
Partner mehr. Ich habe niemand mehr, mit dem ich streiten kann.
2.2.1. Über die Sammlung “Jwang-Tse”
Die Sammlung “Jwang-Tse” umfaßt insgesamt 33 Bücher, wobei man sie in drei Teile teilt: “Esoterisches / Die Grundlagen” umfaßt sieben Bücher und wird nach der Tradition Jwang-Tse selbst zugeschrieben; “Exoterisches / Ausführungen” umfaßt 15 Bücher, wahrscheinlich schrieben die Schüler Jwang-Tses diesen Teil; “Verschiedenes” umfaßt elf Kapitel, hier sind unter anderem auch andere taoistische Schriften enthalten.
Einteilung
Ich werde die Bücher in einer phonetischen und in einer deutschen Übersetzung nach Richard Wilhelm auflisten:
Esoterisches / Die Grundlagen
Exoterisches / Die Ausführungen
Verschiedenes
Ich möchte hier noch einige interessante Stellen in “Jwang-Tse” erklären.
2.2.2. “Peng und Spatzen”: Über die Relation
Im dunklen Meer des Nordens gibt es einen Fisch, sein Name ist Gwen. Der Gwen ist so groß, daß man nicht weiß, wie viele Tausende von Meilen sein Körper einnimmt. Er verwandelt sich in einen Vogel, sein Name ist Peng. Pengs Rücken ist so groß, daß man nicht weiß. wie viele Tausende von Meilen er umfaßt. Empor steigt Peng, wie eine Wolke, die den ganzen Himmel abdeckt. Dieser Vogel zieht nach dem Meer des Südens, sobald der Seewind anfängt zu wehen. [...] Die Spatzen lachen Peng aus: “Ich gebe meine ganzen Kräfte zum Fliegen und bleibe bei den Bäumen einfach stehen. Falls meine Kräfte nicht ausreichen, falle ich einfach auf den Boden. Warum soll ich zum Meer des Südens fliegen, das 90000 Meilen weit liegt?” Um einen Tagesausflug machen zu können, muß man drei Mahlzeiten vorbereiten, dabei kehrt man noch mit vollem Magen zurück; um einhundert Meilen reisen zu können, muß man schon eine Nacht übernachten; um eintausend Meilen zurücklegen zu können, muß man schon Proviant für drei Monate mitnehmen. Was wissen denn die Spatzen schon?
Peng ist eine Art Lebensideal für Jwang-Tse: Zuerst ist er ein Fisch, der zwar sehr groß ist, aber seine Stärke verbirgt; dann und wann taucht er auf, verwandelt sich in einen Vogel und wird sofort der König unter den Vögeln. Peng symbolisiert einen Menschen, der sehr wohl große Taten vollbringen kann, aber zuerst wartet er auf gute Chancen. Wenn es keine guten Chancen zum Gelingen gibt, ändert er seine Prinzipien jedoch nicht, um sie der Gesellschaft anzupassen, vielmehr taucht er unter und bleibt der Gesellschaft fern.
Die Spatzen jedoch symbolisieren jene Menschenmenge, die nichts Großes vorhat und solche Taten nicht versteht. Sie passen sich der Umgebung an und wagen sich nicht aus ihrem Wissen hinaus.
Ein anderer Gedanke kommt auf, wenn man daran denkt, daß, wenn Gwen und Peng schon so groß sind, der Himmel und das Meer noch viel größer sein müssen. Dies zeigt die Wichtigkeit der Umgebung: Man braucht eine günstige Umwelt, um sich groß entfalten zu können.
So wird die Relation zwischen Großen und Kleinen deutlich: Während die Spatzen sich damit begnügen, zwischen den Bäumen fliegen zu können, muß Peng (denn es besteht sicherlich ein Zwang) die weite Strecke zurücklegen, um zum Meer des Südens zu gelangen. Man soll eben immer nach dem Größeren streben.
2.2.3. “Chin-Shrs Trauer um Lao-Tse” und “Jwang-Tses Trauer um seine Frau”: Über den Tod
Lao-Tse ist gestorben.
Chin-Shr geht in die Totenkapelle, schreit drei Male und kommt wieder heraus.
Ein Schüler fragt: “War er denn nicht dein Freund?”
Chin-Shr sagt: “Doch!”
Der Schüler fragt wiederum: “Darf man denn so den Tod seines Freundes
beklagen?”
Chin-Shr sagt: “Ja. Früher dachte ich, daß er ein ungewöhnlicher
Mensch sei, jetzt weiß ich, daß er keiner war. Als ich in die
Kapelle ging, sah ich alte Männer, die um ihn weinten, als ob ihre
Söhne gestorben wären, und junge Männer, die um ihn weinten,
als ob ihre Mütter nicht mehr leben würden. Wenn Junge und Alte
so sehr um ihn weinen, dann standen sie sich sicherlich sehr nahe, als
er noch lebte. Sie können sich nicht beherrschen und sagen, was nicht
gesagt werden sollte, weinen, obwohl es gar keinen Grund dazu gibt. Diese
Lebensweise ist wider die Natur, wider die Wahrheit, sie vergessen die
uns vom Leben gegebene Zeit. In alter Zeiten nannten sie das Weinen ein
Tun gegen die Natur. Als er kommen sollte, da wurde Lao-Tse geboren; als
er sterben sollte, da starb er natürlich. Wenn man ohne Schmerz seine
Zeit annimmt, können weder Trauer noch Lust in sein Herz eindringen.
In alter Zeit nannten sie dies: `Das Verkehrte entknoten.´”
Jwang-Tses Frau ist gestorben.
Hwei-Shr kommt zu ihrem Haus, um sie zu beweinen, da sieht er, wie Jwang-Tse
gerade singt und einen Topf als Trommel in der Hand hält. Hwei-Shr
sagt: “Sie lebte mit dir, zog die Kinder auf, wurde zusammen mit dir alt
und starb. Daß du jetzt nicht weinst, ist schon unhöflich genug;
du singst aber auch noch, ist das denn nicht zu unmenschlich?”
Jwang-Tse antwortet: “Nein, als sie starb, kamen auch verschiedene Trauergefühle
in mir auf! Aber als ich den Sachverhalt genauer untersuchte, wußte
ich, daß sie am Anfang ohne Leben war; nicht nur ohne Leben, sondern
auch ohne Gestalt; nicht nur ohne Gestalt, sondern auch ohne Hauch. In
einem Zustand von Halbsein und Halbnichtsein, da war plötzlich der
Hauch, aus dem Hauch wurde Gestalt, aus der Gestalt wurde Leben, und jetzt
wird aus dem Leben der Tod. Solcher Wandel zwischen Leben und Tod ist wie
der Wechsel der Jahreszeiten: absolut nach der Naturregel! Meine Frau liegt
jetzt ruhig zwischen Himmel und Erde, und ich soll noch um sie weinen?
Ich denke, daß solches Verhalten zeigt, daß ich den Lebenswandel
nicht verstehe, deshalb weine ich nicht um sie.”
Für viele Menschen ist Jwang-Tses Einstellung zum Tod unmenschlich, weil er nicht einmal um seine eigene Frau trauert. Für ihn ist das Weinen sogar wider Natur, und diese Einstellung gilt für viele Humanisten als nicht korrekt. Warum sollen Menschen ihren Tod fürchten? Warum ist das Sterben traurig?
Jwang-Tse erkennt, daß Leben und Sterben nichts anderes sind als ein ganz natürlicher Kreislauf. So wie es ein Leben gibt, gibt es einen Tod. Dieser Kreislauf entspricht dem Tao und ist recht. In seinem Schmetterlingtraum schreibt er (oder sein Schüler), daß das Leben vielleicht nur ein Traum und der Tod in diesem Falle das Erwachen sei. Darüber hinaus ist er optimistisch, was nach dem Tod passieren wird:
“Die Erde gab mir Gestalt, sie erfand das Leben, damit ich arbeite, das Altern, damit ich zur Ruhe komme, und schließlich den Tod, damit ich in Frieden sein kann. Deshalb kann der, der mein Leben so gut beherrscht, meinen Tod auch beherrschen.”
Er freut sich nicht über sein Leben, trauert aber auch nicht um seinen Tod. Wenn das Ziel des Philosophierens das Erlernen des Todes ist, dann hat Jwang-Tse dieses Ziel mit Sicherheit erreicht.
Zum Schluß noch eine Stelle aus “Jwang-Tse” über Jwang-Tses Tod:
Als Jwang-Tse im Begriff zu sterben ist, wollen seine Schüler ihm viele gute Grabbeigaben geben. Jwang-Tse sagt aber: “Ich habe den Himmel und die Erde als Sarg, die Sonne und den Mond als Jade-Schmuck, die Sterne als Perlen, zehntausende Dinge (alle Seiende) als Bestattungsmahl. Sind denn meine Grabbeigaben nicht schon genug? Warum denn so viele Umstände?” Die Schüler sagen: “Wir haben Angst, daß die Raben dich auffressen!” Jwang-Tse sagt: “Auf der Erde werde ich von Raben gefressen, in der Erde werde ich von den Ameisen gebissen. Ihr raubt von Raben und gebt den Ameisen, ist das nicht ungerecht?”
Hwei-Shr sagt zu Jwang-Tse:
“Der Fürst des Wei schenkte mir einen Samen von einer großen
Kürbisart. Ich züchtete sie, und sie wurden so groß, daß
sie fünf Eimer Wasser tragen konnten. Wenn ich sie als Wasserbehälter
verwende, so sind sie nicht stark genug. Wenn ich sie aufschneide und als
Schöpfer verwende, so gibt es keinen so großen Behälter,
der diese Schöpfer gebrauchen kann. Ich glaube, daß sie hohl
und groß sind, aber nutzlos, da habe ich sie zerschlagen.”
Jwang-Tse sagt: “Du bist wirklich ein Mensch, der große Sachen nicht
zu gebrauchen weiß. In Sun war ein Mann, der konnte Salben herstellen,
mit der seine Hände im Winter keine Kältewunden bekamen. Seine
Familie lebte vom Waschen von Kleidern. Ein Fremder hörte von der
Salbe und bot dem Mann hundert Goldstücke an, wenn er das Rezept preisgibt.
Der Mann aus Sun rief seine Familie zusammen und sagte: `Unser Geschlecht
lebt seit Jahren vom Waschen und bekommt dafür nur wenige Golstücke.
Jetzt verkaufen wir das Rezept und werden dafür sofort reich. Also
verkaufen wir es.´ Dieser Fremde bekam das Rezept und ging damit
zum Fürst des Chou. Damals fiel Ywe in Chou ein, so ernannte der Fürst
des Chou den Fremden zum General. Im Winter kämpften die beiden Länder
gegen einander, und (weil er die Salbe hatte) siegte der Fürst des
Chou. Er schenkte dem Fremden darauf ein großes Stück Land.
Mit derselben Salbe bekam der eine ein großes Stück Land, der
andere mußte jedoch Kleider für andere Leute waschen; das kam
von der verschiedenen Verwendungsmethode. Du hast jetzt Kürbisse,
die jeder fünf Eimer Wasser aufnehmen könnte. Warum verwendest
du sie nicht einfach als Schiffchen und segelst durch Flüsse und Seen?
Stattdessen machst du dir Sorgen, daß sie nutzlos sind, du bist ja
wirklich einfältig.”
Ob eine Sache oder ein Mensch nützlich ist oder nicht, hängt allein von der Art der Verwendung ab. Für Jwang-Tse hat jedes Ding seinen Platz auf der Erde und ist auf seine eigene Art und Weise sehr nützlich. Ab und zu ist gerade die Nutzlosigkeit das Nützlichste:
Ein Tischler namens Shr
ging einst zum Chi. Als er beim Chiu-Ywan ankam, da sah er einen Eichenbaum
am Altar. Dieser Baum war so groß, daß einige tausend Rinder
in seinem Schatten Platz hatten. Sein Stamm hatte einen Durchmesser von
einigen hundert Metern, er fing erst einige Meter über den Berggipfel
an, Äste zu bekommen. Es gab sogar mehr als zehn Äste, aus denen
man Schiffe bauen hätte können. Viele Leute bewunderten den Baum,
der Tischler würdigte ihn jedoch keines Blickes und ging weiter.
Sein Schüler sah sich den Baum an und fragte: “Seit ich eine Axt habe
und bei Ihnen lerne, habe ich noch nie einen so großen Baum gesehen.
Sie würdigten ihn keines Blickes und gingen weiter. Warum?”
Der Tischler sagte: “Laß ihn nur, frag nicht weiter! Das ist das
nutzloseste Stück Holz. Wenn man aus ihm Schiffe baut, sinkt das Schiff;
wenn man aus ihm Särge herstellt, verfaulen sie nach kurzer Zeit;
wenn man aus ihm Töpfe macht, gehen sie sofort kaputt; als Türen
und Fenster ist es nicht zu gebrauchen, da aus ihm Säfte ausrinnen;
als Hauspfahl wird es schnell von Insekten durchgefressen. Das ist das
nutzloseste Holz, deshalb kann es so lange leben!”
In der Nacht träumte der Tischler von dem Eichenbaum, der zu ihm sprach:
“Worin bin ich nicht stärker als die anderen Bäume? Verglichen
etwa mit Bäumen, die von Menschen gesetzt werden, wie Orangen-, Birnen-
oder Mandarinenbäume? Wenn ihre Früchte reif sind, werden die
Früchte gepflückt, dabei werden die Bäume verletzt: große
Äste werden gebrochen, kleine Äste werden heruntergezogen. Das
kommt eben von ihrem `Nutzen´, und sie leiden ihr Leben lang. Deshalb
sterben sie schon vor ihrer von der Natur gegebenen Zeit. Sie zeigen ihr
Können und werden dann von anderen ausgenützt. Alle Dinge geschehen
nach einem ähnlichen Prinzip. Ich zeige hingegen meinen Unnutzen schon
seit einer langen Zeit. Ich wurde einige Male sogar beinahe abgehackt,
erst jetzt weiß ich, wie ich mich schützen kann. Die absolute
Nutzlosigkeit ist für mich der größte Nutzen. Wenn ich
nützlich wäre, könnte ich dann so groß werden?”
Jwang-Tse erkannte, daß manchmal die Nutzlosigkeit der größte Nutze ist. Dies hat Ähnlichkeit mit Lao-Tses Prinzip der Wiederkehr.
Jwang-Tse betonte die Nutzlosigkeit, die dem Betreffenden selbst sehr wohl nützt. Gerade jene Menschen, die ihr Können eifrig zeigen, sollen sich vor Mißbrauch der anderen schützen. Dieser Gedanke wird zu einem der wichtigsten Grundprinzipien der taoistischen Lehre und der chinesischen Mentalität.
2.2.5. Über die Liebe und die Gerechtigkeit
Jwang-Tse und viele andere Taoisten lehnten die Liebe und die Gerechtigkeit ab. Für Jwang-Tse, der frei in der Welt sein will, stellen die Liebe und die Gerechtigkeit die größten Zwänge dar. So sprechen Worte wie “Liebe und Gerechtigkeit fangen dort an, wo das Richtige und das Falsche den Weg fortsetzen: verzwickt und falsch!” für sich. Jwang-Tse war nicht etwa gegen die ethische Lehre, er war gegen eine ethische Lehre, die wider die menschliche Natur ist. Er sagte: “Die große Liebe ist nicht Liebe!” und “Die äußerste Liebe ist ohne besondere Annäherung!” Große Liebe und äußerste Liebe sind jene menschlichen Gefühle, die am natürlichsten sind.
Warum war Jwang-Tse gegen die Liebe und die Gerechtigkeit? Zum einen, weil Liebe und Gerechtigkeit die Menschen kontrollieren, anstatt daß Menschen nach Liebe und Gerechtigkeit handeln, zum anderen, weil diese Ethik ihre ursprünglichen Werte verloren hat und zur Stärke der Verbrecher wurde. Wie Liebe und Gerechtigkeit Menschen kontrollieren können, darüber gibt uns wieder eine Geschichte aus “Jwang-Tse” Auskunft:
Konfuzius traf Lao-Tse, er sprach gerade über die Liebe und die Gerechtigkeit. Lao-Tse sagte: “Die Mücken stechen, schon werden wir ganz unruhig und können die ganze Nacht hindurch nicht schlafen. Die Liebe und die Gerechtigkeit stören die Herzen der Menschen, es gibt keine größere Katastrophe als die beiden.”
Jwang-Tse schrieb auch, wie Liebe und Gerechtigkeit zur Stärke der Verbrecher werden konnten:
Wenn der heilige Mann nicht stirbt, so hört der große Dieb nicht auf zu existieren. Obwohl man einen heiligen Mann ruft, um die Verbrecher zu bekehren, ist dies zugleich eine Stärkung für die großen Diebe. Man macht Meßbecher, um Flüssigkeiten zu messen, also stiehlt der Dieb die Meßbecher mit; man macht die Waage, um Gewichte zu messen, also stiehlt der Dieb die Waage mit; man macht Stempel, damit er die Originalität einer Sache beweist, also stiehlt der Dieb den Stempel mit; man fördert die Liebe und die Gerechtigkeit, um Leute zu bekehren, also stiehlt der Dieb die Liebe und die Gerechtigkeit. Wie weiß ich denn, daß es so ist? Diejenigen, die Besitztümer anderer stehlen, werden bestraft; diejenigen aber, die einen Staat stehlen, werden Fürsten. Unter den Fürsten gibt es dem Anschein nach die Liebe und die Gerechtigkeit.
Jwang-Tse ist mein Lieblingsphilosoph, und Siau-Yau ist mein Lebensideal.
Gerade in der heutigen Gesellschaft, wo die Menschen unter sich immer mehr entfremdet werden, wirkt eine Philosophie wie die des Jwang-Tse wie eine gründliche Säuberung. Sie zeigt, wie man sich dem Streß entgegenstellen kann, denn in der Hetze kann man den Untergang nur durch Ausbildung der inneren Werte meiden.
Jwang-Tse sieht alles von allen möglichen Seiten: Er erkennt den Nutzen der Nutzlosigkeit und stellt sich gegen die Sitten, die den Leute nicht nutzen, sondern eher schaden. Da er die Dinge erkannt hat (im Chinesischen Kan-Kai), wird das Leben zum Traum, das Geschehen wird zum “Alles ist ja bloß so!”. Aber anstatt dahinzuvegetieren, wie viele Philosophen wie Epikur es taten, bleibt Jwang-Tse unter uns und wird keiner von denen, die aus der Welt zogen. Mag sein, daß Jwang-Tse in seinem Leben kein hohes Amt übernommen hat oder gar überdurchschnittlich reich war, aber man kann ihn eine “dahinvegetierende” Lebenshaltung nicht vorwerfen. Er deutet überall an, daß man etwas machen soll, wenn man es kann. Solange die Bedingungen und die Folgen günstig sind, ist eine beeindruckende Tat (wie der Peng, der zum Meer des Südens fliegt) durchaus angebracht. Demnach ist seine Lehre nicht in einem direkt passiven Zustand, sondern in einem passiven Zustand, in dem das Aktive auch manchmal hervorschaut. Dies erinnert mich an das Tai-Ji: Yin und Yang wechseln einander ab und vermischen sich, so werden sie zum Tai-Ji, dem Undifferenzierbaren und Höchsten, dem Tao.
Wenn Sie jetzt noch eine Erklärung haben wollen, was Siau-Yau bedeutet, so muß ich Sie leider enttäuschen, denn dieser Zustand von Freisein ist meiner Ansicht nach nicht übersetzbar. Ich bewundere Jwang-Tse, nicht nur weil er wirklich zu seiner Lehre gestanden ist, sondern v.a. weil ich hoffe, eines Tages jene Einstellung zum Leben haben zu können, die ich mir schon immer wünschte: frei, ohne jeglichen Zwang. Dies bedeutet für mich auch, daß ich jenen Zwang vom Frei-sein-Wollen nicht als Zwang betrachte. Jwang-Tse hat es geschafft.
Ein Vergleich zwischen Taoismus und westlicher Philosophie anzustellen, das ist wohl eines der schwierigsten Aufgabe in der Philosophie, denn es gibt nur sehr wenige Gemeinsamkeiten zwischen den beiden, außerdem gibt es sehr viele verschiedene Philosophenschule in Europa, die verschiedene Theorien über das gleiche Thema haben. Ich werde also versuchen, die Unterschiede und Ähnlichkeiten beider Denkweisen aufzuzeigen.
3.1. Ausgangspunkt des Philosophierens
Wenn ich die westliche Philosophie anschaue (ich muß mich dabei schämen, denn ich kenne sie viel zu wenig), so stelle ich fest, daß für viele Philosophen das Suchen weitaus wichtiger ist als das Finden. Ihr Leben widmen sie der Suche, ob sie eine Antwort auf ihre Frage finden, ist dabei nicht von Bedeutung. Ihr Motto durchs Leben könnte zynisch als “Ich suche, aber hoffentlich finde ich nichts” aufgefaßt werden.
Auch die Taoisten suchen, aber sie suchen nicht nach Antworten, sondern nach eine Lebenshaltung. Wie Jwang-Tse, der seine Lebenshaltung in Siau-Yau gefunden hat, so versuchten die Taoisten in Laufe der Geschichte nach einen zwangslosen Zustand. Manche fanden ihn, manche nicht.
3.2. Die Frage nach der Wirklichkeit
Lao-Tses Tao hat sehr große Ähnlichkeit mit dem Arché der griechischen Naturphilosophen. Doch neben der mystischen Eigenschaft des Tao war das Tao auch noch ein ethisches Prinzip und ein Naturgesetz. Dieser Arché wird so fast eine Gottheit, was man nicht vom Wasser des Thales oder Apeiron des Anaximander behaupten kann.
Die Taoisten nehmen ihre Angst vor Tod, indem sie sich dem Tao annähern und so erkennen, daß das Leben und der Tod zusammengehören, ohne Tod kein Leben. Ähnlich ist die Vorgangweise der westlichen Philosophen: Sie verwanden die Vernunft und erkannten, daß man den Tod überhaupt nicht fürchten muß.
3.4. Das Leben in Zurückgezogenheit
Lao-Tse wanderte aus seinem eigenen Land aus, um die schlechte Politik nicht länger anschauen zu müssen; Jwang-Tse wollte nie Politiker werden, obwohl er damit sicherlich Leben im Wohlstand aufbauen könnte. Spätere taoistisch gesinnte Menschen folgen den Beispielen: Sie lebten abseits von anderen Menschen und führten ein bescheidenes, aber lustvolles Leben. Ähnliche Lehre finden wir bei Epikur, der seinen Schülern auch ein Leben unter den Menschen abriet. Die Ausgangspunkte waren jedoch verschieden: Epikur wollte mit dieser Handlungsweise den Unlust entgehen, die Taoisten aber wollten so sich dem Tao annähern.
Vergleiche dieser Art zu ziehen, heißt eigentlich, Mentalitäten zweier Völker miteinander zwangsweise zusammenzuknoten: Sie wirkt schwerfällig und kann jederzeit auseinander gehen. Es gibt einfach zuviele zugroße Vergleichsebene, daß die Komparation sinnlos wirkt.
Deutsche Literatur:
KNOSPE, Hans/BRÄNDLI, Odette: Lao-Tse, Tao-Te-King. Zürich 1985
WILHELM, Richard: Laotse, Tao te king. In: Die Philosophie Chinas. Köln 1972
WILHELM, Richard: Dsuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Düsseldorf/Köln 1969
Chinesische Literatur:
CHEN Gu-Ying: Lao-Tse, moderne Übersetzung. Taipeh 1992
CHEN Gu-Ying: Philosophie Jwang-Tses. Taipeh 1992
CHEN Gu-Ying: Jwang-Tse, moderne Übersetzung. Taipeh 1992
HWANG Jin-Hung: Jwang-Tse, ein Lesebuch. Taipeh 1983
SIU Pei-Lin: Lao-Tse, ein Lesebuch. Taipeh 1981
TSAI Jr-Jung: Lao-Tse sagt, Rede eines Weisen. Taipeh 1993
TSAI Jr-Jung: Jwang-Tse sagt, Flötenklänge aus der Natur. Taipeh 1993
TSAI Jr-Jung: Jwang-Tse sagt II, Flötenklänge aus der Natur. Taipeh 1993
YAN Ru-Chou: Taoistische Gedankengut und westlicher Philosophie. Taipeh 1983
LIN Wen-Siung: Gedanke der Lao-Jwang über die Justiz. Taipeh 1985
LAI Rung-Siang: Philosophie der Lao-Jwang. Taipeh 1986
CHEN Jr-Ching: Gedanke der Lao-Jwang. Taipeh 1993
Abschließend möchte ich noch hinzufügen, daß meine Meinung über Taoismus selbst nach 5 Jahren im Prinzip immer noch das gleiche ist. Scheinbar war ich von dieser meinen Meinung so überzeugt, daß sie "richtig" ist, daß ich sogar während der Matura mit Prof. Matosevic gestritten habe. Einiges in der Begründung, warum ich einen 3er für diese Arbeit bekam, scheint mir nicht gerechtfertigt, obwohl ich heute einsehe, daß vieles, was hätte behandelt werden sollte, von mir ausgelassen wurde.
Falls ihr Kommentare zu dieser Arbeit habt, bitte ich euch, sie mir zu mailen. Sei es positive wie negative. DIV!
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