Kennen Sie Taiwan? Nein, ich meinte nicht Thailand, sondern Taiwan, oder auch Republic Of China (R.O.C.), China-Taipei, Formosa, Taiwan-Taipei, Chinese Taipei, Republic of China on Taiwan 5 oder ein anderes der vielen Synonymen für dieses Land. (Da soll einer sagen, daß man schon Schwierigkeiten hat, Holland von den Niederlanden zu unterscheiden.)
Taiwan liegt südöstlich von China, ziemlich genau zwischen Japan und den Philippinen und gehört zu den "kleinen vier Drachen" 1. Das Land umfaßt paar hunderte von Inseln, die meisten von denen sind sehr klein und unbewohnt. Die südlichste Insel liegt sogar südlich von der Äquator, zumindest eine der Insel (die sog. Angelsinsel) wird auch von Japan beansprucht, und China beanprucht sowieso alle dieser Inseln.
Taiwan hat ca. 22 Millionen Einwohner, ca. 3 Mio davon leben in der Hauptstadt Taipei (oder Taipeh - auf Deutsch). Es gibt vier unterschiedliche Bevölkerungsgruppen:
Die Ureinwohner von Taiwan, die in USA wohl Indianer genannt werden. Es existieren viele Stämme, die praktisch in die Gesellschaftsstruktur von Taiwan assimilliert (oder integriert, jenach Standpunkt) worden sind. Der bevölkerungreichste Stamm heißt A-Mei. Sie haben ihre eigene Sprache.
Die Taiwanesen, deren Vorfahren kamen vor vielen Jahrhunderten aus südlicher China nach Taiwan. Die meisten Taiwanesen, zu denen ich wohl auch zähle, gehören in dieser Gruppe. Die Sprache, die sie verwenden, ist Taiwanesisch.
Die Ke-Jias, die ebenfalls von China stammen, aber eher aus der östlichen China. Deswegen sprechen sie auch ihre eigene Dialekt.
Die Chinesen, die nach dem Krieg zusammen mit Chiang Kai-Shek vor den Kommunisten nach Taiwan flüchteten.
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Formosa, die Perleninsel, so nannte die Portugiesen Taiwan. Die portugisische Piraten fing in den 16. Jahrhundert an, Taiwan als Stützpunkt zu benützen, die bis dahin von den Ureinwohnern und wenigen Taiwanesen chinesischer Abstammung bewohnt wurden. Ohne allzugroße Probleme konnten sie Taiwan besetzen, bis in den 17. Jahrhundert die Holländer kamen und sie vertrieben. Diese errichteten Burgen und Festungen, die man noch heute besichtigen kann.
Zhen Cheng-Gong, ein Chinese, der nicht unter der Herrschaft des Chin-Dynastie2 leben wollte, konnte Taiwan von den Niederländern zurück erobern und benützte Taiwan als Basis für die Rückeroberung von China, an denen sowohl er als auch alle seine Nachfolger und -ahmer scheiterten. Chin-Dynastie konnte Taiwan unblutig eingliedern in die chinesische Karte.
In den 19. Jahrhundert kam es zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen China und vielen anderen Ländern (HongKong wurde zu diesem Zeitpunkt eben an England praktisch abgetreten), darunter auch Japan. Als Reparationszahlung an Japan gab der Kaiser der Chin-Dynastie Taiwan den Japanern, die Taiwan sowohl wirtschaftlich als auch geistig ausbeuteten.
Im Jahre 1911 konnte eine Widerstandsgruppe unter der Leitung von Sun Yak-Sen die Chin-Dynastie stürzen. Sie wandelten China in eine Republik mit demokratischer Verfassung.
Nach dem zweiten Weltkrieg, bei dem Japan ja bekanntlich verlor, forderte die Republik China von den Japanern Taiwan zurück, so wurde Taiwan wieder ein Teil von China, die aber unter sich noch geteilt war. So brach ein Bürgerkrieg zwischen den sog. National-Chinesen unter Chiang Kai-Shek und den Kommunisten unter Mao Tse-Tung aus. Die National-Chinesen verlor.
Chiang Kai-Shek besann auf Zhen Cheng-Gong und zog mit den geistigen Eliten und einigen Kunstschätzen3 Chinas nach Taiwan zurück. Sie bildeten dort die Regierung und verwalteten Taiwan wie ein Militärstützpunkt. Die geistige Elite in Taiwan wurde systematisch verschleppt, ermordet oder ausgetrieben. Viele gingen in Exil nach USA, die anderen müssen sich der National-Chinesen unterwerfen. Diese Kapitel der taiwanesischen Geschichte ist bekannt als Chronik 228, da an einem 28. Februar die Regierung diese Säuberungsaktion durchführte.
Danach fing für Taiwan eine Diktaturherrschaft an. Das Land befindet sich in Ausnahmezustand, somit fanden keine freie Wahlen statt und die Regierung unter Chiang Kai-Shek ist nur bemüht, Soldaten auszubilden, das Heer aufzurüsten. Sie träumte noch von der Rückeroberung von China. Taiwan nennt sich seit dem Republic of China, um sich von dem Peoples Republic of China zu unterscheiden.
Nach dem Tod von Chiang Kai-Shek folgte sein Sohn (und ich dachte, es wäre ein Republik??) Chiang Jing-Guo in die Präsidentsschaft. Er wendete nun auch Gelder für den Aufbau von Taiwan an und verfolgte eine eher gemäßigtere Linie, bis er Ende der 80er Jahren starb und Lee Deng-Hui, ein Taiwanese, als Präsident ernannt wurde.
Seitdem wird der Ausnahmezustand widerrufen, und Taiwan wird endlich demokratisch. Es gibt seitdem sowohl freie Parlaments- als auch Präsidentsschaftswahl. Mehrparteiensystem wird eingeführt.
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Die demokratische Verfassung von Taiwan, die von Sun Yak-Sen verfaßt wurde, ist eine mehr oder weniger gute Abschrift von den westlichen Ländern mit Anpassung an ostasiatische Lebensweise. Die Gewaltenteilung in Taiwan wird in fünf und nicht wie bei den westlichen Länder in drei geteilt: Neben Exekutive, Legislative und Juridiktion gibt es in Taiwan noch zwei voneinander unabhängige Gewalten, ein Überprüfungsorgan und ein Prüfungsorgan. Das Überprüfungsorgan kontrolliert Ministerien und Ämter auf ihr Fehlverhalten (Korruption etc.), während das Prüfungsorgan alle Examen (dazu gehören auch die Aufnahmeprüfung der Universitäten, Staatsexamen für diverse Berufe u.v.a.) überwachen und kontrollieren.
In Taiwan existieren vier Ebenen von Beamten: Die Bundesebene, die Provinzebene4, die Länderebenen und Gemeindepolitikern. Da in Taiwan es sowieso nur ein Provinz gibt, wird demnächst die Provinzregierung abgeschafft - für mich ein Beweis dafür, daß man nun in Taiwan endlich wirkliche Politik für Taiwan betreibt.
Es existieren sehr viele Parteien in Taiwan, darunter sind sowohl die "Linken" als auch "Rechten", sowohl die Bürgerlichen Parteien als auch die Bauern und Arbeiter Parteien vertreten. Im Moment sind drei Parteien in dem taiwanesischen Parlament vertreten: Die Kuo-Ming-Dan (Volkspartei), die Ming-Jien-Dan (Demokratische Fortschrittspartei) und die Xin-Dan (Neue Partei). Das wichtigste politische Thema in Taiwan ist wohl die Beziehung zu China.
Kuo-Ming-Dan
Die Regierungspartei hält im Moment eine sehr große Mehrheit im Parlament. Sie verfolgt eine Politik der schrittweise Vereinigung mit China in (un)absehbarer Zeit. Eine Vereinigung mit China wird angestrebt, aber nur unter einer demokratischen Vorzeichen. In Wirklichkeit bringt diese Art von Politik die Beibehaltung der jetzigen Situation. Da China wohl nicht so schnell demokratisch wird, ist eine Vereinigung nicht in Sicht. Diese Partei erhält wohl auch deswegen so viele Stimme, weil die Bevölkerung Taiwans Angst vor dem chinesischen Angriff hat.
Ming-Jien-Dan
Die demokratische Fortschrittspartei (DPP) ist die erste inoffizielle Partei Taiwans. Früher wurden die Kandidaten der DPP in die Liste der Parteienlosen aufgenommen. Diese Partei bringt sowohl ökologische Standpunkte wie europäisches Gedankengut in die Politik. Sie streben nach einer vollkommenen Unabhängigkeit von Taiwan.
Xin-Dan
Die Neue Partei ist eine Abspaltung aus der Volkspartei. Sie spielen im Parlament nur ein eher unter geordneten Rolle, verfolgt aber eine harte Vereinigungslinie. Die meisten Anhänger dieser Partei sind Chinesen, die mit Chiang Kai-Shek nach Taiwan flüchteten und jetzt immer mehr ihren chinesischen Ursprung betonen.
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China betrachtet Taiwan wie einen abtrünnigen Privinz. Sie beansprucht Taiwan als ihr Territorium, während für die Taiwanesen die Beziehung zu China wohl eher ein außenpolitisches Thema darstellt. Um die Situation in Taiwan verstehen zu können, müssen einiges berichtet werden:
Bis zum Jahre 1979 gehörte Taiwan der UNO an, unter dem Namen Republic of China. Irgendwie hat Chiang Kai-Shek es geschafft, Taiwan als rechtmäßigen Nachfolger von ehemaligen fast demokratischen China anerkannt zu werden, wobei USA immer ein Verbündeter von Taiwan war. Als die Volksrepublik China in UNO aufgenommen wurde, ist man in Taiwan empört und verließ aus Wut und Stolz UNO, da man der Meinung war, daß ein Land nur einen Vertreter in UNO schicken soll.
Nachdem Präsident Lee die Macht in Taiwan übernahm, verfolgt die Regierung in Taiwan einen anderen Kurs: Mehr internationale Arbeit von Taiwan aus. Da es nun ersichtlich ist, daß nur eine internationale Anerkennung von Taiwan mit diplomatischen Beziehungen Taiwan vor einer zu frühen Vereinigung mit China bewahren kann. Dabei nützt Taiwan ihre finanzielle Stärke und technologische Fortschritte aus: Taiwan leistet viele Entwicklungsarbeit und hilft Ländern beim Aufbau der Infrastrukturen etc. Als Gegenleistung wollte Taiwan den Ausbau der diplomatischen Beziehung.
Während dessen übt China Druck auf die "Verbündete" Taiwans aus, u.a. Südafrika, Korea etc.. Das Paradebeispiel dafür ist Mazedonien in ehemaligen Jugoslawien: Die UNO-Friedenstruppe in Mazedonien, sicher eines der unruhigsten Fleck auf der Erde, wird in Februar 1999 nicht mehr verlängert, da VR China ihr Veto einlegte. Offiziell glaubt China nicht mehr an eine Notwendigkeit der Friedenstruppe, inoffiziell ist es vielen Menschen klar, daß die Aufnahme diplomatischer Beziehung zwischen Mazedonien und Taiwan der eigentliche Grund für das chinesische Veto ist. Für mich erinnert diese Art Politik wie das Verhalten kleiner Kinder, die andere Kinder verprügeln und einschüchtern wollen, ohne die Konsequenz dafür tragen zu wollen.
Ein weiteres Beispiel, wie China versucht, ihre Stärke zu demonstrieren passierte im Sommer 1997. Damals schoß China Mittelstreckenraketen auf die Parzifische Ozean nördlich von Taiwan. Dabei warnte China die Fischer in Taiwan, an jenen zwei Wochen nicht im besagten Bereich zu fischen, man befürchte außerdem eine Fehllenkung, sodaß die Rakete auch woanders einschlagen könnte. Taiwan reagierte mit Protest, und USA schickte ihre Militärschiffe nach Taiwan.
Unter solchen Voraussetzungen ist es für Taiwan schwierig, außenpolitische Arbeit zu leisten. Taiwan hat jetzt noch weniger "Verbündete" als noch vor 5 Jahren. Während dessen holte China erfolgreich Hong-Kong zurück, Macao soll der nächste Schritt im Jahre 1999 sein, und Taiwan die logische Folge. Naturgemäß denkt man in Taiwan ganz anders darüber. Die meisten Bevölkerung befürchtet, daß China seine Drohung wahr macht: Falls Taiwan sich für unabhängig erklären sollte, wird China Taiwan militärisch invadieren. So ist es wohl bequemer, den momentanen Stand beizubehalten und abwarten, bis China endlich demokratisch wird. Gerüchte zufolge befürchtet China v.a., daß Taiwan als Beispiel für die andere Provinzen steht und die Küstenprovinzen wie Guang-Dong oder Fu-Jien sich ebenfalls von China loslösen.
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Taiwan, Hongkong, Südkorea und Singapore gehören zu den vier kleinen Drachen, die schon in den 70er Jahren eine Art Wirtschaftsaufschwung erlebt haben, während die Wirtschaftswunder bei den Tigerstaaten, zu denen u.a. Vietnam, Philippinen und Thailand zählen, erst Ende 80er auftrat. |
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Die Chin-Dynastie wurde von den Manchuren, die nordöstlich von China bewohnten, gegründet. Sie enttronten in den 17. Jahrhundert die Han-Chinesen erfolgreich. Es gab immer wieder Rebellen gegen die Unterwerfung von Han-Chinesen, einer von ihnen war Zhen Cheng-Gong. |
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Diese vielen Kunstschätze werden in den Gu-Gong-Museum in Taipei ausgestellt. Während in China vieles der Kulturgüter durch die Kulturrevolution verloren ging, konnte in Taiwan vieles bewahrt werden. |
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Die Provinzpolitik ist ein Überbleibsel von der Chiang Kai-Shek Regierung. Da die chinesische Politik Provinzen umfassen, muß es in Taiwan ebenfalls Provinzpolitiker geben. Im übrigen stimmt es nicht ganz, daß es nur ein Provinz in Taiwan gibt: Die Insel Ma-Chu und Jin-Men gehören laut China-Karte zum Provinz Fu-Jien. |
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Chinese Taipei und Republic of China on Taiwan habe ich fast vergessen. Dank Leo Wu kamen sie in die Liste. Chinese Taiwan wird von dem taiwanesischen Olympia-Team verwendet; Republic of China on Taiwan wird vom Präsident Lee bei offiziellen Ansprachen verwendet. |
Das Taiwanproblem soll ein internationales Anliegen sein. Wie Tibet und das türkische Volk in Nordwesten Chinas soll Taiwan ebenfalls ein Thema, das EU und jedes andere westliche Land mit China besprechen sollen. Denn außer die Menschenrechte und die Verbietung von demokratischen Gedankengut muß China sich auch mit Taiwan auseinandersetzen. Ich finde, daß EU den Pflicht hat, die chinesische Ellbogenpolitik (siehe Mazedonien) zu kritisieren. Taiwan mag als Land für die Europäer uninteressant sein, außer man beschäftigt sich mit Wirtschaft, aber wie Tibet soll auch Taiwan eine internationale Chance erhalten.
Diese Seite wird unter Mitarbeit vom Leo Wu geschrieben.
Kommentare zu dieser Seite und zur Taiwan-Frage bitte an Joseph.Wang@uibk.ac.at.
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