DRM und DAB -
eine Bilanz
von Dr. Norbert Fink
DRM -
ein Flop?
Was ist
DRM?
DRM - Digital Radio Mondiale ist die zukunftsweisende Technologie über Lang-
Kurz- und Mittelwelle statt im AM-Verfahren von 1921 in einer überraschend guter
Qualität digital zu senden - ohne dabei die spezifischen
Verbreitungseigenschaften dieser Wellenbereiche - z.T. weltumspannend - zu
verlieren. Sogar STEREO über Kurz-, Mittel und Langwelle ist damit möglich!
Recherchiert man ein wenig im Internet und hört sich so um, so ergibt sich
folgendes Bild:
- nach einigen Jahren (!) des Wartens gibt es die ersten
DRM-Radios
(z.B. Morphy
Richards) zu
erschwinglichen Preisen auf dem Markt
- einige Sender haben den DRM Testbetrieb wieder eingestellt (offenbar hatten
sie mangels an Geräten nur ein Handvoll Hörer), obwohl sie hohe
Investitionskosten für die Umstellung hatten.
- andererseits setzen einige nach wie vor auf DRM, etwa RTL, die Deutsche Welle
und einige ARD-Kurzwellensender (BR)
- das Gebastel an geeigneten Antennen geht weiter. Die eingebauten Antennen sind
unzureichend, altbewährte Tipps gelten noch immer. Neu im Rennen - abgestimmte
Loop-Antennen.
- der Reiz, die hohe Entfernung des Senders erahnen zu können und gerade noch
etwas zu hören fällt weg. Stattdessen gluckert es und kommt zu unschönen
Unterbrechern, wenn der Empfang zu schwach wird.
- DRM stört eher den analogen Empfang, da DRM z.T. breitbandiger (9-10 kHz statt 4,5-5) sendet, hören analoge AM-Empfänger nur ein störendes Rauschen, wenn auf DRM gesendet wird.
- mit DRM+ wäre eine Weiterentwicklung des UKW-Rundfunks möglich, ohne den
Frequenzbereich wechseln zu müssen (wie dies bei DAB der Fall ist) .
- für den Urlaub sind die DRM-Radios noch nicht ganz geeignet. Sie brauchen viel
Strom bzw. Batterien.
Aktuell strahlt eine Vielzahl von Sendern täglich weltweit Sendungen in DRM
aus: Liste der DRM Sender
Die Entwicklung von DRM 30 (bis 30 MHz) ist weitgehend abgeschlossen und
standardisiert. Die Standardisierung von DRM+ läuft zur Zeit noch.
Die Deutsche Welle sendet in Zusammenarbeit mit der BBC ihr digitales Zusatzangebot BBC & DW fast rund um die Uhr für Europa über Sendeanlagen in Skelton (GB) und Sines (Portugal) in DRM. Zudem sendet RTL Radio von Luxemburg aus über die Mittelwelle 1.440 kHz und Kurzwelle 6.095 kHz im DRM-Modus. Seit 2. Mai 2005 wird auch der KW-Sender Ismaning des Bayerischen Rundfunks auf 6.085 kHz digital betrieben. Zahlreiche internationale Stationen testen bzw. nutzen DRM. OldieStar Radio ist der erste deutsche Privatsender, der sein Programm auch im DRM Modus ausstrahlt. Seit 2005 wird das Programm in Berlin auf der Mittelwelle 1485 kHz und seit 1. August 2006 auf 1575 kHz über die Sendeanlagen in Burg (Sachsen-Anhalt) verbreitet. Radio HCJB ist neben den üblichen Ausstrahlungen in analoger Kurzwelle und WRN auch über einen kleinen Sender (4kW) aus Pifo/Ekuador regelmäßig in DRM in Deutsch hörbar.
Seit dem 26. Mai 2008 strahlt auch Radio Bulgarien sein Inlandsprogramm in bulgarisch europaweit in DRM aus.
Insgesamt konnte DRM allerdings bislang - wohl vor allem aufgrund der mangelhaften Empfängersituation - noch keine große Marktbedeutung erlangen.
ORF stellt DAB - Testbetriebe ein
DRS startet in Graubünden DAB+
Während der ORF seine beiden - völlig im Verborgenen - durchgeführten
DAB-Testsender in Wien in Innsbruck wieder abschaltete, weil keiner das wusste,
niemand bewarb und auch die Geschäfte keine DAB Radios in Österreich anboten, versiebenfachte
sich in der Schweiz der Verkauf der DAB Radios. Einzige Verunsicherung: DAB+
Während DAB nach einem mp3-ähnlichen Komprimierungsverfahren arbeitet, das nun
auch schon in die Jahre gekommen ist, arbeitet DAB+ nach dem noch effektiveren
AAC - Verfahren. Beide Entwicklungen des Fraunhofer Instituts revolutionieren
die digitalen Audio-Medien.
Klar; wenn ARD- und ORF auf DAB dasselbe wie auf UKW anbieten und das nicht
einmal in besserer Qualität, warum soll man sich dann ein teures neues DAB Radio
anschaffen?
Die Schweizer haben dies gleich erkannt und mit Radio Swiss Classic, Radio Swiss
Jazz, Virus, Swiss Pop, Musigwälle und DRS 4 mindestens vier (z.T. sogar 6 !)
Programme MEHR als auf UKW angeboten und das in sehr guter Qualität. Darum
funktioniert dort, wie auch in England, DAB. Außerdem sieht man in Display, was
gerade gespielt wird.
Um in der Schweiz auch den privaten Lokalradios den Einstieg in die DAB Technologie zu
ermöglichen, sollte das zweite DAB-Paket, das ab heuer angeboten werden soll,
im noch besseren DAB+ Verfahren abgestrahlt werden, was allerdings nicht alle
"alten" DAB-Radios empfangen können, nur einige wenige lassen sich in der
Firmware updaten.
Zur Erinnerung: bis 6.1.1998 gab es in der Schweiz den "Schweizer
Telefonrundspruch" (Drahtfunkdienst) , der kabelgebunden über Langwelle mit 9 kHz Bandbreite
wahlweise zum Telefon zu hören war - in vielen Hotels gab es die "Biennophone"
Radios mit 6 Programmen, darunter auch Jazz und Klassik. Nachdem der Drahtfunk
dem ADSL-Internet weichen musste, gibt es diese zusätzlichen Radioprogramme nun
auf DAB und Internet in der Schweiz. Zuvor Strahlte die Schweiz sie über
ADR- Astra Digital Radio aus.
Konkurrenz: Webradio
Größte Konkurrenz sind die Webradios, die zu tausenden im Internet zu hören
sind - Breitband und flatrate vorausgesetzt.
Mit der immer besseren Durchdringung mit erschwinglichem Breitband-Internet,
werden die an die terrestrische Sender gebundenen neuen Digitalverfahren (es
gäbe außer DAB und DRM noch einige mehr) immer mehr durch das kostgünstige
Internetverfahren konkurrenziert.
Krisensicher - also auch in Katastrophen- und Kriegszeiten sind aber nur die
Kurzwellen!
Norbert Fink Mail an: nobi(ät)fkc.at
2.3.2009