Die
Geschichte des Basketballs
Als die Menschen
dribbeln lernten
1. Die Anfänge
des Sports
1.1 Ein
Kanadier erfindet amerikanischen Nationalsport
1.2 Pfirsichkörbe
werden Grundlage des Sports
1.3 Hinter
Gitter
1.4 Dribbeln
als Notlösung
2. Über die
Dörfer
3. Der Kampf
der Ligen
4. Aus der
BAA und NBL wird die NBA
4.1 Zwei
Regeländerungen läuten das Zeitalter des modernen
Basketballs ein
5. ABA
Die Beach Ball League
6. Herausragende
Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte
Verwendete
Literatur und Internetseiten:
- Mike Carlson,
Jens Plassmann: "NBA Basketball Stars
& Stories", Rowohlt Verlag, 1994
- Mark
Vancil:
"NBA Basketball Das offizielle Fan Buch",
BLV mbH, München 1995
- http://www.nba.com
1.
Die Anfänge des Sports
1.1
Ein Kanadier erfindet amerikanischen Nationalsport
Anders
als in den meisten Sportarten läßt sich die Entstehung
des Basketballspiels bis auf den Geburtstag hin genau
zurückverfolgen. Entstehungsort war das YMCA in Springfield,
Massachussetts.
Hier
leitete ein junger Kanadier namens Dr. James Naismith
Kurse zur Körperertüchtigung. Vom Direktor des
Instituts erhielt der Neuling Naismith nun die Anweisung,
innerhalb von zwei Wochen ein Spiel zu entwickeln,
das die Studenten im Winter, zwischen der Freiluftsaison
im Football und der im Baseball, beschäftigen würde.
Pünktlich zum 21. Dezember 1891 lieferte der Pädagoge
seinen Vorschlag ab. Er hatte dreizehn Regeln für
ein Hallenspiel formuliert, das binnen weniger Jahrzehnte
zu einem neuen Nationalsport der Amerikaner werden
sollte.
Naismith
wünschte sich diesen Ausgleichssport weniger hart
und körperbetont als die beliebten Freiluftspiele
American Football, Fußball oder Lacrosse. Er versuchte,
einer derartigen Entwicklung mit einigen grundsätzlichen
Entscheidungen entgegenzuwirken. Gefährliche Kollisionen
der Spieler, wie sie mit dem im Football üblichen
Tackling verbunden sind, wollte Naismith ausschließen.
Deshalb verbot er das Laufen mit dem Ball. Noch heute
findet sich dieser Grundgedanke in der Vorschrift
"no travelling!", nach der jeder Schrittfehler
mit Ballverlust geahndet wird.
Naismith
hatte ein reines Paß- und Wurfspiel im Sinn, wobei
der unhandliche Spielball verhindern sollte, dass
mit allzu großer Wucht geworfen werden konnte. Der
Ball sollte gefangen und aus dem Stand so oft weitergepasst
werden, bis ein Mitspieler sich in aussichtsreicher
Position zum "Tor" befand.
Um
diese Vorstellungen umzusetzen, wies Naismith anfangs
den Guards, Forwards und Centern feste Standorte auf
dem Spielfeld zu. Ein Guard hatte demnach vor allem
die Aufgabe, das eigene "Tor" zu bewachen.
Und da Naismith keine Festlegungen hinsichtlich der
Spieleranzahl traf er favorisierte nur neun
Spieler pro Team, meinte aber auch: "The more
players the more fun!" - , wurden mitunter noch
zahlreiche weitere Positionen wie Goalkeeper, Wing-
oder Homeman (ein Offensivspieler) vergeben.
1.2
Pfirsichkörbe werden Grundlage des Sports
Um die
Rangeleien in unmittelbarer Nähe des "Tores"
zu vermeiden, verfiel Naismith der Idee, das "Tor"
ganz einfach vom Boden zu lösen. Er erinnerte sich
an das Kinderspiel Duck on a rock, bei dem
über ein Verteidigerhinweg ein etwa faustgroßer Stein,
der "Duck", von einem Felsbrocken heruntergeworfen
werden muss. Die hierfür vorteilhafte bogenförmige
Flugbahn wünschte sich Naismith auch für sein neues
Ballspiel. Deshalb bat er den Hausmeister, zwei Kästen,
groß genug, einen Lederfußball aufzunehmen, an die
Empore der YMCA-Halle zu nageln.
Entsprechende
Kästen aber fand der Hausmeister nicht, weshalb ersatzweise
Pfirsichkörbe herhalten mussten und das neue Spiel
nicht "Boxball" (und auf Wunsch des Erfinders
auch nicht "Naismithball"), sondern "Basket
Ball" genannt wurde. So gab die Installation
von Obstkörben durch den YMCA-Hausmeister vor über
hundert Jahren dem neuen Sport einen Namen und legte
zugleich das Orientierungsmaß für alle künftigen Dunking-Versuche
fest.
Denn
noch heute hängt der Basketballkorb weltweit in exakt
der Höhe, die die Empore der Sporthalle in Springfield
vorgab: Zehn Fuß (= 3,05 Meter).
Der
Boden der Pfirsichkörbe wurde übrigens in jenen Frühtagen
des Sports nicht entfernt. Nach jedem erfolgreichen
Wurf musste der Ball mit einer Leiter aus dem Korb
herausgeholt werden. Doch dieses Handikap fiel zu
Anfang kaum ins Gewicht. "Tore" besaßen
Seltenheitswert.
So
soll die Auftaktpartie Naismiths neuem Sport 1891
nach chaotischen zweimal fünfzehn Minuten 1:0 ausgegangen
sein. Einem der Spielberichte zufolge war allerdings
bereits der erste erfolgreiche Wurf in der Wettkampfgeschichte
des Basketballs spektakulär. Danach hat William R.
Chase, einer der Studenten in den Neun-Mann-Teams,
die Begegnung mit einem Treffer aus acht Metern Entfernung
entschieden. Der erste Korb und schon ein Dreier!
Aber
bis zur Einführung der Drei-Punkte-Linie sollte es
noch einige Jahrzehnte dauern. Populär wurde die neue
Sportart vor allem im Osten und Nordosten Amerikas
indes schnell.
Bereits
in den Weihnachtsferien 1891 machten die begeisterten
Schüler Naismiths die Athleten in den YMCAs ihrer
Heimatorte mit der neuen Spielidee bekannt. Animiert
durch Zeitungsartikel, in denen die Regeln und ersten
Erfolge von "Basket Ball" beschrieben wurden,
kamen Sportlehrer vielerorts auf den Geschmack. Für
Schulen bestand eine zusätzliche Attraktivität des
neuen Sports in der Tatsache, dass er verhältnismäßig
preiswert war. Im Vergleich zu Baseball oder Football
fiel der Aufwand für eine Grundausstattung gering
aus. Daran änderte sich auch mit der Weiterentwicklung
der Ausrüstung wenig.
Die
ursprünglich verwendeten Fußbälle wurden 1894 durch
die ersten speziell gefertigten Basketbälle ersetzt.
Die Pfirsichkörbe waren zu dieser Zeit bereits durch
solche aus schwerem Draht verdrängt worden.
Zwar
dauerte es noch einige Jahre bis unten offene Netze
eingeführt wurden, doch immerhin erlaubten es einige
Fabrikate schon jetzt, das Ballnetz nach einem erfolgreichen
Wurf über einen Zugmechanismus zu leeren. Und dreißig
Jahre bevor der Designer Chuck Taylor seine legendären
Chucks entwarf, kamen um 1900 die ersten Basketballschuhe
auf den Markt.
Zum
allgemeinen Standard zählte mittlerweile das Anbringen
des Korbs an ein großes Basketballbrett. Diese Neuerung
erfolgte jedoch weniger mit der Absicht, die Treffsicherheit
der Spieler zu erhöhen. Vielmehr sollte durch das
Brett verhindert werden, dass die Zuschauer weiterhin
von der Empore aus an der die Körbe in der
Regel angebracht waren auf den Korb zufliegende
Bälle mit Stöcken und Regenschirmen wegschlagen konnten.
Doch
nicht allein auf den Rängen herrschten in jenen Anfangsjahren
rauhe Sitten. Eine körperlose Ausgleichssportart,
wie sie Naismith mit seinen Grundregeln hatte vorschreiben
wollen, ist Basketball zu keiner Zeit gewesen. Um
Erfolg zu haben, mussten sich auch hier Geschicklichkeit
und Wurfgenauigkeit mit Kraft, Schnelligkeit und Durchsetzungsvermögen
verbinden.
1.3
Hinter Gitter
Der Unterschied
zwischen Football und Basketball war in den ersten
Jahren offenbar nur schwer auszumachen. Einige bevorzugten
deshalb für die neue Sportart auch die treffendere
Bezeichnung "Basket Football". Tatsächlich
gingen die meisten Basketballpioniere mit der vertrauten
Football - Mentalität zur Sache und rüsteten sich
wie gewohnt mit Ellbogen- und Knieschützern, ja sogar
mit gefütterten Hosen.
Um
Massenschlägereien zumindest unter den Aktiven
zu verhindern, wurden 1897 fünf Spieler pro
Mannschaft die Regel. Rauh blieb die Sportart aber
dennoch. Dabei hatten sich die Verantwortlichen von
der Einführung eines Freiwurfs nach Foulspiel 1894
einen deutlichen Rückgang des allzu harten Körpereinsatzes
versprochen. Ein Feldkorb zählte nun zwei Punkte,
ein Freiwurf einen Punkt, und aufgrund der seltenen
Feldkörbe wurden die Freiwürfe schon bald spielentscheidend.
Bis 1923/24 eine neue Regel den Gefoulten selbst zum
Gang an die Freiwurflinie verpflichtete, konnte der
sogenannte "designated foul shooter" stellvertretend
für seine Mitspieler alle Freiwürfe ausführen, und
regelmäßig stellten diese Spezialisten die erfolgreichsten
Punktesammler in ihrem Team.
Ständige
Tumulte unter den Spielern verursachte zudem die Ausballregelung,
die bis 1913/14 besagte, dass diejenige Mannschaft,
die zuerst den ins Aus gesprungenen Ball zu fassen
bekam, auch den Einwurf ausführen durfte. Bei den
Profis war in solchen Fällen jedoch Vorsorge getroffen
worden. Der Ball konnte nämlich überhaupt nicht ins
Aus springen. Bis 1929 trennte ein Käfig die Spieler
von den Zuschauern bzw. umgekehrt. Diese Käfige waren
in den Anfangsjahren derart verbreitet, dass Basketball
den Spitznamen "Cage Game" bekam. Meist
bestanden die Umzäunungen aus Netzen oder Maschendraht.
Dabei zählten Käfigwände ebenso wie Hallenwände,
Decken, Pfeiler usw. zum Spielfeld und verhinderten
Unterbrechungen. Das Spiel sollte dadurch sowohl schneller
als auch attraktiver werden. Käfige aus Draht erhöhten
die Verletzungsgefahr natürlich immens.
Andererseits
bestand ein Vorteil von Drahtkäfigen darin, dass sich
die Wände wesentlich besser zum Doppelpaßspiel
nutzen ließen. Denn das Laufen mit dem Ball hatte
Naismith ja untersagt. Die Spieler sollten sich ohne
Ball bewegen. Die Offensive hatte aus Passen und Werfen
zu bestehen!
1.4
Dribbeln als Notlösung
Die
erste Lockerung des strikten Verbots, sich mit dem
Ball zu bewegen, trat bereits zwei Jahre nach der
Veröffentlichung von Naismiths dreizehn Grundregeln
in Kraft. Von nun an war es offiziell erlaubt, einen
Fuß umzusetzen, solange der andere feststand. Damit
wurde das Pivotieren zu einer der zentralen Angriffstechniken
in Korbnähe. Mit dem Ball in Händen zu laufen, blieb
indes weiterhin untersagt. Es sollte gepasst werden.
Verboten war allerdings nicht die Aufnahme eines eigenen
Passes, und ausdrücklich erlaubt war es sogar, den
Ball im Laufen zu fangen. Mithin konnte das Verbot
des Ballhaltens umgangen werden, indem der Ball über
Boden und Wände gedribbelt, gerollt oder während des
Laufens ständig in die Luft getippt wurde. Doch an
diesem Punkt äußerten einige Puristen bereits starke
Bedenken. Die Grundidee eines Mannschaftssports, in
dem Durchsetzungskraft nicht über Geschicklichkeit
dominieren sollte, schien ihnen durch extensives Dribbeln
gefährdet.
Mit
einer Fülle verschiedener Einschränkungen versuchten
die Regelwächter, den Einsatz des unerwünschten Angriffsmittels
einzuschränken. So wurde erst das Doppeldribbeln (dribbeln,
abstoppen, Ball festhalten, weiterdribbeln) verboten,
dann das beidhändige Dribbeln. Es war dem Ballführenden
vorübergehend nicht erlaubt, nach seinem Dribbling
auch selbst auf den Korb zu werfen er musste
den Ball weiterpassen. Später wurde dann zumindest
das einmalige Aufsetzen des Balles vor dem Wurf gestattet.
All
diese Regeländerungen galten jedoch nicht einheitlich.
Die Bewertung, was als Schrittfehler zu ahnden war,
konnte zwischen College- und Profibereich, mitunter
sogar von einer professionellen Liga zur anderen völlig
unterschiedlich ausfallen. Dabei erlaubten es beispielsweise
viele der frühen Profiliegen weiterhin, dass die Spieler
beidhändig dribbelnd und mit dem Hinterteil
voran sich solange mittels Kraft und Masse
durch die Abwehr arbeiteten, bis sie zu einem sicheren
Korbleger kamen. Da jedoch die ebenso resoluten Verteidiger
häufig für ein abruptes Ende derartiger Soli sorgten,
blieb das Dribbling in den ersten Jahrzehnten eine
eher ungefährliche Angriffswaffe. Meist wurde es als
Möglichkeit verstanden, sich für einen Moment aus
allzu großer Bedrängnis zu befreien, um den Ball anschließend
weiterpassen zu können.
Ende
der zwanziger Jahre wurde das Dribbeln dann in der
heutigen Form regelgerecht. Nun hätte dem Siegeszug
der Ballakrobaten nichts mehr im Wege stehen sollen
wäre da nicht das Eigenleben des Balls gewesen.
Der wurde zu dieser Zeit nämlich noch recht grob aus
vier Lederstücken und einem Einsatz für die Luftblase
zusammengenäht, wobei die Nahtstellen derart wulstig
blieben, dass der Ball während des Dribblings nur
schwer zu kontrollieren war. Unter dieser Eigenschaft
litt auch die Trefferquote, da die Flugbahn des Ball,
wenn er gegen den Ring prallte, aufgrund der dicken
Nähte reichlich eigenwillig ausfallen konnte. Deshalb
versuchten die Scharfschützen jener Zeit auch
im Unterschied zu den heutigen-, ein Rotieren des
Balles möglichst zu vermeiden. Zudem beeinträchtigte
der etwas größere Umfang der damals gebräuchlichen
Bälle die Wurfsicherheit und die Handlichkeit beim
Dribbeln.
Die
Bedingungen verbesserten sich, als Mitte der dreißiger
Jahre neue technische Verfahren die Herstellung wesentlich
glätterer Basketbälle erlaubten. Zugleich wurde deren
Größe auf das heute übliche Maß gemindert. Jetzt erst
waren die Dribbelkünstler in der Lage, eine wirklich
effektive und elegante Ballführung zu entwickeln.
2.
Über die Dörfer
Die
ersten Versuche, einen professionellen Spielbetrieb
zu organisieren, kamen nicht ganz freiwillig zustande.
Auch wenn die Vormachtstellung von Baseball und Football
in Amerika über viele Jahrzehnte hinweg ungefährdet
blieb, so nahm die Popularität von Basketball doch
sofort derart rasant zu, dass den Anhängern der neuen
Sportart immer häufiger der Zutritt zu den YMCA -
Hallen verweigert wurde. Sie beanspruchten einfach
zu viele Trainingszeiten.
Die
Basketballer gingen daraufhin dazu über, ihre Spielstätten
Scheunen, Hallen oder Tanzsäle selbst
anzumieten, und verlangten im Gegenzug von den Zuschauern
Eintritt. Die Ersatzlösung erwies sich als ein einträgliches
Geschäft, und prompt wurden um die Jahrhundertwende
im Nordosten Amerikas die ersten Profiliegen gegründet.
Doch
der Aufbau funktionstüchtiger und rentabler Ligen,
die über den Zusammenschluß einiger lokaler Mannschaften
hinausging, wollte jahrzehntelang nicht gelingen.
Ein wesentlicher Grund hierfür lag in der laufend
wechselnden Zusammensetzung der Profiteams. Eine verbindliche
Mannschaftszugehörigkeit existierte nicht. Die Spieler
traten am Abend für denjenigen Klub an, der ihnen
das meiste Geld zusagte.
Mochte
dieses Pendeln zwischen den Teams für gute Spieler
lukrativ gewesen sein, für die Fans blieben die Mannschaften
beliebig und der Tabellenstand ohne Aussagewert. Dementsprechend
dramatisch schwankten der Zuschauerzuspruch und die
Einnahmen, so dass sich ein kostspieliger überregionaler
Ligabetrieb auf Dauer nicht rentierte. Besser verdienten
da schon jene Teams, die von Herbst bis Frühjahr auf
Tournee gingen und die dabei den jeweils besten Angeboten
folgten. Solche Tourneeteams, die es sich auch leisten
konnten, hervorragende Spieler mit hohen Gehältern
fest an sich zu binden, stellten daher bis weit in
die dreißiger Jahre hinein die stärksten Mannschaften.
So
bestanden die ersten Dream Teams in
der Regel aus fünf oder sechs Spielern, die mit ihrem
Manager per Auto oder Eisenbahn herumreisten und in
den Städten und Dörfern vor allem im Osten und Nordosten
Amerikas die Lokalmatadoren herausforderten. Wenn
diese Wandertruppen clever und spielstark genug waren,
achteten sie darauf, dass ihre allabendlichen Partien
nicht zu knapp ausgingen (damit der Weltmeistertitel,
mit dem sich die meisten schmückten, nicht in Gefahr
geriet), aber auch nicht zu deutlich (damit das Team
erneut eingeladen wurde).
Spielentscheidende
Bedeutung kam in jenen Jahren dem Sprungball zu, wurde
er doch nach jedem erfolgreichen Korbwurf ausgeführt.
Kein Wunder also, dass Joe Lapchick mit einer
für damalige Sportler ungewöhnlichen Größe von 1,96
Meter für jedes Team enorm wertvoll war und die Manager
seinen Gagenpoker mitmachten. Da es keine Zeitbegrenzung
für einen Angriff gab, konnte der Ball im Falle einer
Führung nach gewonnenem Sprungball beliebig lange
in den eigenen Reihen gehalten werden. Die zurückliegenden
Verteidiger beendeten diese taktische Variante dann
meist durch ein absichtliches Foul, auf den anschließenden
Freiwurf folgte ein erneuter Sprungball, ein erneutes
Ballhalten, ein weiteres Foul, und in diesem Rhythmus
verliefen zahllose Spiele ausgesprochen rau, korbarm
und langweilig.
Der
ganz große Durchbruch in der Zuschauergunst konnte
dem Basketball auf diese Weise nicht gelingen. Doch
einige Mannschaften erreichten auf ihren strapaziösen
Tourneen über die Dörfer trotzdem bereits eine derart
große Popularität, dass ihr Wirken später mit einem
Platz in der Basketball Hall of Fame geehrt
wurde.
3.
Der Kampf der Ligen
Die
amerikanischen Basketballfans zogen in den dreißiger
und vierziger Jahren überwiegend das Spiel der Collegemannschaften
dem der Profis vor. Die Collegespiele verliefen spannender,
schneller, es gab weniger Foulunterbrechungen und
nicht die zahllosen Sprungballrituale mit vorhersehbarem
Ausgang. Außerdem fehlte die Verwirrung durch permanente
Spieler-, Besitzer- und Ligenwechsel, der Wettkampf
schien alles in allem ehrlicher und sauberer. Auf
die Popularität dieser Spielweise setzte der Promoter
Ned Irish, als er 1934 ein Programm mit zwei Spielen
zwischen bekannten Collegeteams ankündigte und sechzehntausend
Zuschauer den Madison Square Garden in New York füllten.
Solche College Doubleheader, die später auch
Partien um den Meistertitel der beiden führenden Organisationen
NIT und NCAA beinhalteten, zählten daraufhin lange
Zeit zu den aufsehenerregendsten Ereignissen im landesweiten
Basketballgeschehen.
Die
1937 aus einer regionalen Liga hervorgegangene National
Basketball League (NBL) versuchte, den erfolgreichen
Stil der Collegeteams auf den Profibasketball zu übertragen.
Zu diesem Zweck wurden von den NBL Klubs bevorzugt
Ex Collegestars unter Vertrag genommen, wobei
es den Werksmannschaften von Goodyear, Firestone,
General Electric u.a. während der allgemeinen
Wirtschaftskrise natürlich leicht fiel, ballgewandte
Hochschulabsolventen mit Arbeitsverträgen zu ködern.
Nach einer unbefriedigenden Anfangsphase passte die
Liga dann auch ihre Regeln immer weiter denen der
Colleges an. Der Sprungball nach jedem Korberfolg
wurde abgeschafft, das Feld durch eine Mittellinie
geteilt und eine Zehn Sekunden Marge
eingeführt, innerhalb der die angreifenden Mannschaft
den Ball aus dem eigenen Rückfeld herausgebracht haben
muss. Tatsächlich zeugen die höheren Spielergebnisse
in der NBL davon, dass die Mannschaften begannen,
das Tempo anzuziehen.
Sichtbare
Veränderungen durchlief das Spiel aber auch in anderen
Bereichen. Viele der bis dahin gesellschaftlich weitgehend
ausgegrenzten "Riesen" versteckten ihre
athletischen Talente nicht länger, und Basketball
wurde die Domäne für (Zu-) Großgewachsene. Konnte
sich in der ersten NBL Saison der als "schießwütig"
berüchtigte Leroy "Cowboy" Edwards mit 1,93
Meter noch als längster fühlen, war der Center der
Abonnementfinalisten Oshkosh
All
Stars zwei
Jahre später bereits der kleinste auf seiner Position.
Diese Entwicklung sollte für das Regelbuch nicht ohne
Folgen bleiben.
Zu
Beginn der Saison 1944/45 wurde das sogenannte "Goaltending"
untersagt. Von nun an war es verboten, den auf den
Korb zufliegenden oder auf den Ring herumspringenden
Ball einfach wegzuschlagen. Für den eben 1,80 Meter
großen Bobby McDermott kamen derartige Abwehraktionen
sowieso nicht in Frage. Doch dafür ließ ihn sein exzellentes
Wurfvermögen zu einer der markantesten zeitgenössischen
Spielerpersönlichkeiten werden. Selbst aus Distanzen,
die heute in der NBA jenseits der Drei Punkte
Linie liegen würden, traf der Guard der Fort
Wayne Pistons mit verblüffender Sicherheit. Gegenspieler
berichten, dass er im Spiel sogar regelmäßig mit Versuchen
von der Mittellinie Erfolg hatte. Dabei benützte McDermott
die damals allgemein übliche Wurftechnik:
Er
hielt den Ball vor dem Körper und warf dann beidhändig
aus dem Stand. Im Anschluß an die Saison 1944/45 wurde
McDermott von den NBL Coaches zum besten Spieler
in der Geschichte des Basketballs gewählt.
Die
NBL hatte in jenen Tagen mit zahlreichen Schwierigkeiten
zu kämpfen. Doch selbst während des Zweiten Weltkriegs
gelang es den Organisatoren, den Ligabetriebe aufrechtzuerhalten.
Jahr für Jahr wurden Meisterschaften ausgetragen,
obwohl viele Spieler zur Armee eingezogen waren, Reisebeschränkungen
existierten und es dem Publikum an Zeit und Geld mangelte.
Aufgrund des dringenden Bedarfs an guten Spielern
und entscheidend erleichtert durch eine "liberale"
Stimmung im Land, die im wesentlichen schlicht der
Notwendigkeit geschuldet war, an den nationalen Kriegsanstrengungen
alle gesellschaftlichen Kräfte zu beteiligen, engagierten
die NBL Teams aus Chicago und Toledo 1943 einige
schwarze Spieler. Damit gehörte zum erstenmal eine
größere Anzahl schwarzer Spieler einer "weißen"
Liga an. Nach dem Krieg besserte sich die Lage der
NBL spürbar. Es gab genügend Teams, bessere Spieler
und mehr Zuschauer. Aber 1947/48 überwand die Liga
eine folgenschwere strukturielle Schwäche auch während
dieser Blütezeit nicht. Die meisten NBL Teams
stammten aus kleinen oder mittelgroßen Städten, in
denen das Vermarktungspotential nunmehr weitgehend
ausgeschöpft war. Diese Manko sollte der NBL das Genick
brechen, denn genau in diesem wirtschaftlich bedeutenden
Aspekt lag von Beginn an die Stärke der 1946 gegründeten
Basketball Association of America (BAA).
In
ihr hatten sich die Besitzer großer Hallen zusammengefunden,
um den Nachkriegsboom in Sachen Entertainment und
Sport auszunutzen. Mit Ausnahme der Spieldauer (achtundvierzig
statt vierzig), der Anzahl persönlicher Fouls (sechs
statt fünf) und des Abwehrsystems (strikte Mann- statt
der erlaubten Zonendeckung) übernahm auch die BAA
das bewährte College Regelwerk. Zu den BAA
Mannschaften der ersten Stunde zählten u.a. die Boston
Celtics, die New York Knickerbockers und
die Philadelphia Warriors.
In
ihrer ersten Saison jedoch hatte die BAA wenig Sensationelles
zu bieten. Trotz ihrer strukturiellen Vorteile hatte
die neue Liga mit starken Anlaufschwierigkeiten zu
kämpfen. Das sportliche Niveau fiel im Vergleich zur
NBL einfach zu deutlich ab. Die NBL verfügte über
die besseren Athleten , über die attraktiveren Mannschaften
und vor allem über Zuschauergarant George Mikan. Und
so versuchte die BAA getreu dem Motto "Money
makes the world go round" -, die besten NBL
Klubs mit der Aussicht auf lukrative Gastspiele in
den großen Hallen der BAA von den Vorteilen eines
Ligawechsels zu überzeugen. Kurz vor der Saison 1948/49
hatte sich die Situation damit dramatisch verändert.
Die BAA konnte plötzlich mit spannenden, hochkarätigem
Sport, sowie mit einer geographisch sinnvoll eingeteilten
und rentablen Liga aufwarten. Die NBL dagegen stand
nach ihrer besten Saison ebenso plötzlich vor einem
Scherbenhaufen.
4.
Aus der
BAA und NBL wird die NBA
Am
3. August 1949 fusionierte die BAA mit der NBL zur
NBA. Aber es war nicht die Hochzeit zweier gleichberechtigter
Partner. Vielmehr gestaltete die finanzstarke BAA
den Zusammenschluß nach Belieben. Zwar übernahm die
neue Liga sechs Teams aus der "Konkursmasse"
der NBL, aber die NBA-Herren der BAA-Vorsitzende
Maurice Podoloff war selbstverständlich zum ersten
Präsidenten der NBA gewählt worden konzentrierten
die wirtschaftlich eher uninteressanten Neuzugänge
in eine einzige der nunmehr drei Divisionen, was dazu
führte, dass vier dieser Teams bereits am Ende der
Saison kapitulieren mussten. Sie verließen den neuen
Verband und versuchten eine Wiederbelebung der NBL.
Doch die "Major League" im Profibasketball
hieß mittlerweile unzweifelhaft NBA. Die mächtigen
Hallenbesitzer der BAA hatten den Kampf der Ligen
gewonnen. Bezeichnenderweise versteht "ihre"
Liga, die NBA, auch heute noch den 6. Juni 1946, mithin
die Geburtsstunde der BAA, als das eigene Gründungsdatum
und nicht etwa den Tag der Fusion mit der NBL. Ein
schwacher Trost für die NBL Anhänger blieb,
dass auf sportlichem Gebiet ihre Spieler in der neuen
NBA vorerst weiter den Ton angaben. Der beste Beweis
für ihre Überlegenheit war die Tatsache, dass die
ersten sieben Meistertitel nach 1948 ausnahmslos an
Ex-NBL-Klubs gingen, davon allein fünf an George Mikans
Minneapolis Lakers.
Jetzt
erfüllte die NBA als erste überregionale Liga alle
Voraussetzungen, um den Basketballmarkt zu erobern:
Sie
besaß reichlich Finanzkraft, die großen Hallen in
den großen Städten, die besten Spieler, die bekanntesten
Mannschaften, den konkurrenzlosen Zugriff auf abgehende
Collegestars und sie hatte das nötige Glück.
Ein landesweiter Skandal um Spielabsprachen und Bestechung
von Sportlern brachte nämlich das vermeintlich saubere
Collegespiel um seine große Popularität. Nach einem
fehlgeschlagenen Bestechungsversuch hatte im Februar
1951 die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen,
die während der folgenden beiden Jahre für einen kleinen
Einblick in den offensichtlich flächendeckenden Spielbetrug
im Collegebereich sorgten. Die amerikanischen Basketballfans
konzentrierten ihr Interesse von nun an auf das Geschehen
in der NBA. Und das Glück blieb den NBA Oberen
hold. Ausgerechnet im Frühjahr 1951 stand zum erstenmal
das Team aus der Medienzentrale New York in den Finalspielen,
und ausgerechnet in dieser Saison verlief der Titelkampf
so spannend wie selten zuvor. Dabei sah das erfahrene
Ex NBL Team aus Rochester bereits wie
der sichere Sieger aus, führte in der Serie mit 3:0,
doch die Knicks gaben sich nach einer furiosen
Aufholjagd erst im entscheidenden siebten Spiel geschlagen.
Die NBA hatte sich konsolidiert. Ein Beweis der Stabilität
war die Tatsache, dass es abgesehen vom Sonderfall
Indianapolis zwischen 1951 und 1954 keinerlei
Veränderungen in der Ligastruktur gab. Offenbar kamen
nach diesem Popularitätsschub alle beteiligten Klubs
auf ihre Kosten.
Einen
eher selbstverschuldeten "Geburtsfehler"
hatte die NBA bereits 1950 behoben. Noch in ihrer
ersten Saison waren die NBA Klubs nämlich einer
unrühmlichen Tradition aus BAA Zeiten gefolgt
und hatten kein einziges der vielen afroamerikanischen
Talente verpflichtet. Zwar war die Beteiligung von
schwarzen Spielern offiziell nicht ausgeschlossen,
doch es soll Abstimmungen unter den Teameignern gegeben
haben, die einem Verbot gleichkamen. In einer Zeit,
da selbst die extrem konservativen Baseballklubs bereits
die Rassenschranke durchbrochen hatten, war die BAA/NBA
noch immer weiß. Zu ihrem Glück ist sie es nicht lange
geblieben. Das Tabu wurde zwar durchbrochen, jedoch
bildeten schwarze Spieler in der NBA weiterhin eine
Ausnahme. Noch in den sechziger Jahren soll in vielen
Klubs die interne Vorgabe bestanden haben, höchstens
drei, vier oder fünf schwarze Spieler zu engagieren.
Und selbst heute scheint bei der Zusammenstellung
der Kader gelegentlich weiterhin nach der Annahme
verfahren zu werden, das Management sei es ihrem Klientel
schuldig weiße Spieler solange kein neuer Larry
Bird zu haben ist zumindest auf die Bank zu
setzen. (Während zum Beispiel 1991 72 Prozent aller
NBA Spieler schwarz waren, lag deren Anteil
unter den neunten bis zwölften Spieler in den Mannschaftskadern
merkwürdigerweise bei nur 47 Prozent.) Den Filmemacher
Spike Lee regte dieses Phänomen zu der sarkastischen
Bemerkung an: "Warum ist der zwölfte Spieler
in jedem Team eigentlich stets weiß, 2,12 Meter und
stulle?"
4.1
Zwei Regeländerungen läuten das Zeitalter des modernen
Basketballs ein
Die
Frage, die sich das NBA Management zu Beginn
der fünfziger Jahre zu stellen hatte, lautete allerdings
ganz anders. Sie standen vor einem existentiellen
Problem. Wie konnte sichergestellt werden, dass die
glückliche Wende in der Zuschauergunst nicht durch
eine unattraktive Spielweise sofort verloren ging?
Nach
einigen unliebsamen Regeländerungen, die im Spiel
nur zu richtiggehenden Foulorgien führten und das
Spiel somit auch unattraktiver machten, waren radikalere
Mittel gefragt. Und nach langem Zögern rafften sich
die verunsicherten Klubbesitzer endlich dazu auf.
Während eines Treffens am 23. April 1954 beschlossen
die NBA Oberen zwei weitere Regeländerungen,
mit denen das Zeitalter des modernen Basketball eingeläutet
wurde. Beide sind bis heute gültig. Die eine linderte
die Foulmisere. Sie besagte, dass von nun an die Fouls
einer Mannschaft zu addieren seien und ab dem sechsten
in einem Spielviertel bei jedem weiteren auf Freiwurf
erkannt werden müsse (seit 1966 sogar bereits ab dem
fünften). Die andere Neuerung beseitigte das Hauptübel.
Sie beschleunigte das Spiel und garantierte einen
häufigen Wechsel im Ballbesitz, ohne dass deshalb
gefoult werden musste. Denn die neuen Bestimmungen
verpflichten jede Mannschaft dazu, innerhalb von 24
Sekunden einen Korbversuch (erfolgreich oder wenigstens
mit Ringberührung) zu unternehmen, andernfalls verliert
sie automatisch den Ballbesitz. Dieser 24 Sekunden
Regel verdankt die NBA ihr sportliches und
wirtschaftliches Überleben in den fünfziger Jahren.
Mit diesem Schritt war ein attraktives und zugleich
erfolgreiches Spiel möglich geworden. Jetzt erst zahlte
sich ein temporeiches Fast Break Spiel
wirklich aus, jetzt erst mussten auch riskante Distanzwürfe
fest ins Repertoire aufgenommen werden, jetzt erst
konnten Technik und Schnelligkeit statt schierer Kraft
und Körpergröße den Spielverlauf prägen. Die Zauberformel
für diese Wende hatte der Eigentümer der Syracuse
Nationals, Danny Biasone, entwickelt. Er legte
seinen Berechnungen ein Minimum von insgesamt 120
Würfen pro Spiel zugrunde. Da die Mannschaften in
der soeben abgelaufenen Saison auf 75 80 Korbversuche
gekommen waren, hielt Biasone eine derartige Sollgrenze
von 60 je Team für vertretbar (und unter den Besitzern
für mehrheitsfähig). Also teilte er die Spieldauer
von 48 Minuten (oder 2880 Sekunden) durch 120 und
schrieb das Zeitlimit eines Angriffs auf 24 Sekunden
fest. Ihre erste Wirkung zeigten die innovativen Beschlüsse
vom April 1954 bereits im Vorfeld der nächsten Saison.
George Mikan gab seinen Rücktritt bekannt. Dem dreißigjährigen
"Mr. Basketball", der unter zahlreichen
Verletzungsfolgen litt, war eine Umstellung auf den
neuen Tempo Basketball nicht mehr möglich.
Ein missglückter Comebackversuch bestätigte diese
Einschätzung ein Jahr später auf traurige Weise. Nach
den Regeländerungen hatte sich das Spiel auf Anhieb
erheblich verändert. Schon in der ersten Saison sank
die Foulzahl auf einen akzeptablen Schnitt von weniger
als fünfzig ab, während zugleich die durchschnittliche
Korbausbeute pro Team von 79,5 auf 93,1 Punkte anstieg.
Der NBA Basketball wurde spannend.
5.
ABA Die Beach Ball League
Die NBA hielt sich seit nunmehr über zwanzig Jahren
im Geschäft. Keinem Konkurrenten war es nach der Vereinnahmung
der NBL 1949 gelungen, der Liga ihr lukratives Terrain
streitig zu machen. Lediglich Abe Saperstein, der Chef
der Harlem Globetrotters, hatte 1961 schlicht
aus Ärger darüber, dass ihm ein NBA Klub aus
Los Angeles verweigert worden war, mit acht Teams eine
neue American Basketball League (ABL) gegründet,
deren hohe Defizite ihn jedoch bereits nach einem Jahr
zur Einstellung des Revancheversuchs gezwungen hatten.
Für die Saison 1967/68 aber zeichnete sich seine weit
größere Herausforderung für die NBA ab. Angeregt vom
Erfolg der neugegründeten American Football League (AFL),
die der etablierten National Football League (NFL) das
Fürchten lehrte, entschlossen sich einige Anwälte und
Geschäftsleute an der Westküste, eine ähnliche Alternative
zur NBA aufzubauen. Es sollte viel Geld in diese American
Basketball Association (ABA) investiert werden,
dass die etablierten NBA Klubs sich genötigt
sehen würden, den Kuchen neu aufzuteilen ja,
vielleicht sogar den Marktwert der neuen Mannschaften
durch eine komplette Fusion um ein vielfaches zu steigern.
Die
elf Teams der neuen Liga setzten sich zumeist aus Profis
zusammen, die nicht oder nicht mehr in der NBA mithalten
konnten. Aus diesem Grund und weil in der ABA mit einem
rot weiß blau gemusterten Ball
gespielt wurde, sprachen viele schon bald despektierlich
von der "Beach Ball League". Die NBA hatte
allen Grund, über die neue Situation beunruhigt zu sein.
Dabei gefährdete die ABA weniger die Umsätze an den
Eintrittskassen, da in lediglich drei Städten ein unmittelbarer
Konkurrent platziert worden war (New York/New Jersey,
L.A./Anaheim und San Francisco/Oakland). Auch mit Einbußen
bei Werbeeinnahmen und Übertragungsrechten musste die
NBA vorerst noch nicht rechnen. Auf Anhieb viel schmerzlicher
aber machte sich die Alternative hinsichtlich der Spielergehälter
bemerkbar. Denn von nun an konnten sowohl etablierte
Stars als auch Rookies unter Hinweis auf mögliche Angebote
aus der ABA die Preise hochtreiben. Außerdem war es
jetzt mit dem profitablen Monopol der NBA auf abgehende
Collegespieler vorbei. Die ABA konnte allerdings die
finanziellen Schwierigkeiten der Anfangsjahre (Zuschauerschnitt
1967/68 unter 3000) niemals durchgreifend beheben. Sie
operierte laufend auf schwankendem Boden. Laufend wechselten
Klubs ihre Besitzer, ihren Namen, ihre Stadt, zerfielen
völlig, andere entstanden vorübergehend neu. Nur drei
Teams, die Kentucky Colonels, die Indiana
Pacers und die Denver Nuggets (zu Beginn
als Rockets) wurden in den neun Jahren ABA zu
festen Größen. Zweitklassig blieb die ABA jedoch vor
allem, weil die große Mehrheit der Basketballstars und
(regulären) Collegeabgänger einer Karriere in der renommierten
NBA den Vorzug gab. So wurden Ausnahmetalente wie Elvin
"The Big E" Hayes, Lew Alcindor (später Kareem
Abdul Jabbar) oder auch Bill Walton zwar heiß
umworben, diese entschieden sich schließlich aber doch
für die bekanntere und spielstärkere NBA. Trotz all
ihrer Bemühungen gelang der ABA deshalb nie, was für
ihr Vorbild, die AFL, im Football den Durchbruch bedeutet
hatte: die Attraktivität ihrer Konkurrenzliga so zu
steigern, daß sie einen Vertrag mit einer überregionalen
Fernsehanstalt hätte abschließen können. Auf der anderen
Seite versuchte die NBA selbstverständlich mit allen
Mitteln, ein Eindringen der ABA in ihren Markt zu verhindern.
Spielergehälter wurden angehoben, Sperren beendet und
Draft Regularien gelockert. Doch die finanziellen
Opfer dieses verschärften Wettbewerbs schmerzten die
Klubeigner. Der ständigen Konzessionen überdrüssig,
ließ die NBA zu Beginn der siebziger Jahre ihr Interesse
an einem Zusammenschluss der beiden Ligen erkennen.
Die Taktik der ABA Gründer schien aufzugehen.
Jetzt aber blockierte die Spielergewerkschaft den Deal,
der Arbeitsplätze vernichten und die Verhandlungsposition
ihrer Mitglieder verschlechtern würde. Gewerkschaftspräsident
Oscar Robertson klagte gegen das durch die Fusion angestrebte
Marktmonopol, und die NBA sah sich nach mehrjährigen
juristischer Streitereien im Februar 1976 gezwungen,
weitere Zugeständnisse in Fragen des Drafts und allzu
restriktiver Spielerverträge einzugehen. Erst nach dieser
Übereinkunft konnte die ABA am 17. Juni 1976 von ihrem
großen Bruder geschluckt werden. Das geplante Geschäft
war die ABA allerdings nicht geworden. Zwar durften
sich vier Klubs Denver, Indiana, San Antonio
und New York (als New Jersey Nets) den angestrebten
Platz in der NBA für jeweils 3,2 Millionen Dollar erkaufen,
doch insgesamt hatten die Eigentümer der 28 verschiedenen
Klubs über die neun vorangegangenen Jahre hinweg etwa
50 Millionen Dollar durch das Abenteuer ABA verloren.
Auf sportlichem Gebiet hinterließ die ABA nicht nur
durch die vier neuen NBA Mannschaften ihre Spuren.
Übernommen wurde von der NBA 1979 zum Beispiel die Drei
Punkte Linie, die ursprünglich aus der
ABL stammte und die sich später in der ABA bewährt hatte.
Außerdem änderte sich die Spielweise in der NBA spürbar,
nachdem die "Beach Ball" Artisten Einzug
in das seriöse NBA Geschehen gehalten hatten.
Ohne dominante Centerpersönlichkeiten an ein schnelles
Fast Break Spiel und spektakuläre Aktionen
gewöhnt, sorgten Überflieger wie Julius Erving, Connie
Hawkins, Spencer Haywood oder David Thompson im NBA
Alltag für ein bis dahin unbekanntes Maß an Eleganz
und Show.
6.
Herausragende Persönlichkeiten der vergangenen Jahrzehnte
Sporthistorische
Entwicklungen nach Jahrzehnten einzuteilen und ihnen
als Kennzeichen den Namen von Persönlichkeiten oder
von Vereinen aufzukleben, setzt ein erhebliches Maß
an Willkür voraus. In vielen Fällen lassen sich derartige
Pauschalisierungen allerdings auch rechtfertigen. Viel
spricht dafür, die Geschichte der NBA in den fünfziger
Jahren unter Namen wie George Mikan und Bob Cousy abzuhandeln.
Die Sechziger können durch Bostons Dynastie und das
Duell Russell/Chamberlain plausibel charakterisiert
werden. Für die Siebziger fällt eine solche Etikettierung
schwer, da die Entwicklung zu wechselhaft, die Siegesserien
zu überraschend abrissen. Immerhin acht verschiedene
Teams siegten in diesen zehn Jahren und keiner Mannschaft
gelang eine Titelverteidigung. Die Siebziger Jahre lassen
sich somit nur schwer als Ära einer Persönlichkeit,
eines Teams oder einer Rivalität begreifen. Die Achtziger
hingegen lassen bei jedem Fan sofort die Assoziation
"Magic gegen Bird" hervorrufen, wechselten
sich doch die beiden Basketball Hochburgen L.A.
und Boston nahezu ein ganzes Jahrzehnt lang mit dem
Gewinn des Meisterschaftsringes ab. Auch die neunziger
Jahre können mit einer der größten Persönlichkeiten
des Sports, und von vielen als der beste Spieler aller
Zeiten gepriesen, in Verbindung gebracht werden. Michael
Jordan dominierte bis auf eine kleine Spielpause nahezu
das gesamte Jahrzehnt und gewann mit seinen Chicago
Bulls sechs Meisterschaften. Leider hinterlässt er ein
großes Loch nach seinem heurigen Rücktritt aus dem "Basketballgeschäft"
und es bleibt somit abzuwarten, wer in seine Fußstapfen
treten kann und auch wird. Eines steht jedoch fest::
Auch nach dieser brikären und verkürzten Saison in der
besten Basketball Liga der Welt wird der Basketball
auf dieser Welt nicht aussterben.
Written
and © 1999 by Florian
Pichler. All rights reserved.

|