Mexiko

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Aus einer Laune heraus habe ich mich entschlossen Spanisch zu lernen und fragte daraufhin meinen Chef und den Personalchef ob ich bezahlten und unbezahlten Urlaub nehmen könne um nach Mexiko in die Academia Hispano Americana in San Miguel de Allende, Gto zu gehen.
Ich war dort vom 27. September 1994 bis 14. December 1994. So bin ich von Taipei nach Los Angeles geflogen und habe dort eine Nacht verbracht. Unser Büro in LA hat mich in ein Hotel in Santa Monica eingebucht. Dort hatte ich einen ersten kleinen Blick ins Abendleben. Am nächsten Morgen flog ich weiter nach Mexico City. Als ich am Flughafen ankam, mußte ich zuerst mal Geld wechseln, aber ich mußte das mit US$ machen (die ich vorher von Taiwandollarn eingetauscht hatte) und das Blöde war, daß sie zwei verschiedene Noten hatten (alte und neue), so hatte ich überhaupt keine Ahnung was das Geld überhaupt wert war. Am Zoll hatte ich das "Glück" rot zu drücken, das heißt Du wirst durchsucht. Ich brachte den Koffer nicht auf, weil ich die falsche Nummer im Kopf hatte. Als ich es endlich offen hatte, schauten sie nur kurz hinein und das wars. Als ich in die Halle versuchte ich nicht unerfahren dreinzuschauen, aber ich konnte einfach kein Taxihinweis finden. In diesem Moment kam ein Mann mit einem Plastikoverall auf mich zu auf dem das Wort Taxi stand (das auch offiziell ausschaute) und fragte mich ob ich ein Taxi brauchte. Natürlich. Er nahm mein Gepäck und ging los, ich hinter ihm her. Auf einmal schlüpfte ein Polizist hinter ihn, übernahm das Gepäck, der Taxifahrer ließ los und der Polizist ging mit meinem Gepäck weiter. Er brachte es zum Taxistand, verstaute es im Kofferraum, ich setzte mich hinein und er hielt mir seine Hand hin. Ich fragte ihn unschuldig: Oh ich muß Ihnen was geben? Wieviel denn? Er sagte, daß nach meinem Gutdünken sei. Aber ich hatte keine Ahnung wieviel Geld der Peso wert war, ich hatte noch keine Zeit zu kalkulieren, ich wußte einfach nicht was ich ihm geben sollte. Ich fragte ihn nochmal, und er gab mir dieselbe Antwort. Ich hatte keinen 1-Dollarschein und so versuchte ich zu rechnen, aber ich konnte mich einfach nicht konzentrieren und so hab ich ihm einfach einen Schein in die Hand gedrückt. Er schaute ein bißchen enttäuscht aber das war mir egal. Bis zu diesem Tag weiß ich nicht was ich ihm eigentlich gegeben hatte.
Der erste Eindruck von Mexico City war ein Schock. Ich dachte, es schaut auch nicht besser aus als die Einfahrt nach Taipei. Im Hotel hatte ich einige Schwierigkeiten mit der Kommunikation, denn es sprach keiner Englisch und ich zu diesem Zeitpunkt noch kein Wort Spanisch. Dann als ich endlich mein Zimmer hatte bin ich nur wie tot in mein Bett gefallen ohne etwas zu essen oder meinen Koffer zu öffnen.
Am nächsten Tag bin ich zur Busstation gegangen um nach San Miguel de Allende zu fahren. Die ersten drei Nächte habe ich in diesem Hotel geschlafen. Und wieder verstand keiner Englisch. Später im Restaurant als ich in die Menükarte schaute, wußte ich nicht was ich bestellen sollte, denn ich kannte keine einzige Speise. So habe ich einfach enchiladas verdes bestellt, das kam mir noch am bekanntesten vor. Aber als das Essen kam war es so scharf, daß ich nur ein Viertel essen konnte. Der Kellner schrieb die Rechnung so unleserlich, daß das Komma wie eine Null aussah. Ich dachte noch - nicht gerade billig! und gab ihm das Geld. Er nahm die Rechnung und das Geld, die in einer Mappe waren, blieb mitten im Lokal stehen und kam zurück und lachte. Er zählte jede einzelne Note auf den Tisch und erklärte mir ihren Wert wie zu einem Kind, aber er entschuldigte sich dafür, daß die Rechnung so unleserlich geschrieben war.
Nach dem Mittagessen suchte ich die Schule und spazierte ein bißchen in der Stadt herum. Ich war enttäuscht. Die Stadt sah wirklich nach dem letzten Winkel in Mexico aus. Ich war allein und niemand verstand mich und ich konnte niemanden verstehen. Ich dachte bei mir, warum habe ich das getan, niemand hat es von mir verlangt. Am nächsten Tag suchte ich die Adresse wo ich die nächsten acht Wochen leben würde. Die Straße schaute typisch mexikanisch aus, keine Bäume, keine Büsche oder Gärten, wie mitten in der Wüste. Ich dachte, ich werde bei armen Leuten in einem dunklen Zimmer leben und ich wollte wirklich wieder nach Hause gehen. Es war das erste Mal, daß mir so etwas passierte, ich hatte noch nie vorher Heimweh. Ich wartete bis zum letzten Moment um dorthin zu gehen.
Aber was für eine Überraschung! Ich kam zu einer wirklich netten Familie und es war auch keine arme aber eine große. Nur eine der älteren Töchter sprach ein bißchen Englisch, aber mit einem komischen Akzent. Ich mußte mich schon einige verschiedene Akzente in den letzten Jahren gewöhnen - Englisch-Englisch, Amerikanisch-Englisch, Chinesisch-Englisch, Neuseeländisches Englisch, Australisches Englisch und nun mexikanisches Englisch. Sie zeigten mir mein Zimmer und nahmen mich dann mit zum Supermarkt 'El Gigante'. Wir waren zwei Autos. Später am Abend gab es eine Azteken oder Maya Parade.
Am nächsten Tag kam auch eine Amerikanerin in die Familie. So hatte ich wenigstens jemand mit dem ich Englisch reden konnte. Sie erzählte mir, daß sie bis Weihnachten bleiben wolle um dann später in Texas Spanisch zu unterrichten. Montag startete die Schule. Wir hatten Aufnahmsprüfung, welche ich nicht machte, da ich ja sowieso Anfänger war. Es gab jede Menge Amerikaner und Schweizer, aber keine Österreicher, zwei Niederländer. Ich kann mich nicht genau erinnern, wer alles in meiner Klasse war zu Anfang. Ich erinnerte mich an einen Französischschweizer, der später in eine andere Klasse wechselte, einen älteren Amerikaner und einen jungen Buben von ca. 13 Jahren vom Staate Washington. Auch meine amerikanische Mitbewohnerin war in meiner Klasse, aber sie blieb nur eine Woche in Mexico, sie meckerte über alles, jeden Tag nahm sie eine Stunde weniger und am Freitag sagte sie, sie sei höhenkrank. Aber sie hat mir vorher mal erzählt wie sie mit ihrer Tochter für ein paar Wochen in den Yosemite Bergen gewandert sei, die soviel ich weiß ungefähr die gleiche Höhe hatten. Wir dachten alle, daß sie das nur als Ausrede benutzte, weil sie draufgekommen ist, daß Spanisch lernen doch nicht so einfach ist wie sie sich das gedacht hatte. Danach blieb ich allein in dieser Familie und ich hatte die beste Zeit, die man sich vorstellen kann.
Copyright © Gabi Wantke 1999